Einsam leuchtet ein großes Fenster in der Dunkelheit: Die Frauenministerin arbeitet. Einige Etagen tiefer im Ministerium schimmert auch noch ein Licht durch die Vorhänge. Vielleicht einige besonders wichtige Beamte, die ihrer Chefin zur Hand gehen?

So sollte es sein. Wird es aber nicht, wenn es nach der SPD-Politikerin Brigitte Unger-Soyka geht, die künftig das neue Frauenministerium in Baden-Württembergs großer Koalition leiten soll. Die Ministerin will kurz vor Mitternacht gar nicht mehr auf ihrem Sessel hocken, wo sie doch – bei dem Gehalt! – hingehört; nein, sie will dann zu Hause in Heidelberg bei ihrer Familie sein. „Ich will kein Männerleben anfangen“, hatte sie, kaum von der SPD benannt, in einem Interview frech erklärt und hinzugefügt, sie werde auch nicht sagen: „Ich sitze gerne und mit Vergnügen bis 23 Uhr in meinem Ministerium, um zu zeigen, wie arbeitswütig und wichtig ich bin.“ Allen Ministerwürden zum Trotz will sie auch weiterhin mit ihrem Mann und ihren Kindern im Alter von neun, zwölf und fünfzehn Jahren jeden Morgen frühstücken und, nach einer Einarbeitungsphase, versuchen, zwei- bis dreimal die Woche schon um 16 Uhr nach Hause zu fahren. „Das läßt sich organisieren, und ich will auch zeigen, daß man das mit der Politik vereinbaren kann.“

„Wie faul darf eine Ministerin (24 623 Mark) sein?“ fragte sogleich auf seiner Titelseite Bild und startete eine Telephonumfrage, bei der das arbeitende Volk zu Worte kommen sollte. Einen Tag später vermeldete das Blatt genüßlich, 91,2 Prozent der Anrufer seien der Ansicht, Frau Ministerin sei „faul“. Für den Bund der Steuerzahler ist das neue Ministerium, das auch für Familie, Weiterbildung und Kunst zuständig sein soll, ohnehin völlig überflüssig. Wenn’s denn schon komme, dann benötige man eine Ministerin, die ihre ganze Arbeitskraft zum Wohle des Landes einbringe. „Wenn die Dame dafür nicht Zeit hat, dann braucht man sie auch nicht.“ Die Stuttgarter Nachrichten nannten die Familienbezogenheit von Frau Unger-Soyka einen sympathischen Zug. „Nur stellt sich die Frage, ob sie nicht besser ganz auf das Amt verzichtet hätte.“

Das kommt davon, Frau Ministerin: Man stellt nicht ungestraft männliches Verständnis von Bedeutung und Wichtigkeit in Frage. Ein Politiker hat sichtbar und rastlos zu arbeiten, jeden Abend mit anderen bedeutenden Menschen zu konferieren und seine wertvolle Zeit nicht mit dem Ehepartner und den Kindern zu vergeuden. Wer dazu nicht bereit ist, hat seine Finger von der Berufspolitik zu lassen.

Was hat denn auch so ein Alltags-Frauenleben mit Politik zu tun? Hautnahe Erfahrungen mit ausfallenden Schulstunden, fehlenden Erzieherinnen, verdreckten Spiel- und Sportplätzen, fehlenden Radwegen oder dem täglichen Verkehrschaos lenken von den großen Fragen des Landes ab. Für so einen Kinderkram kann man dem Steuerzahler, zumal dem schwäbischen, nicht noch den letzten Pfennig aus der Tasche ziehen. Wenn die Frau schon nicht rund um die Uhr schaffen will, dann soll sie sich ein Beispiel an ihrem künftigen Kabinettskollegen Gerhard Mayer-Vorfelder nehmen. Der teilt seine Zeit zwischen dem Finanzministerium und dem VfB Stuttgart. Das versteht jedermann. Heide Klarer