Geschäft ist Geschäft

Wer in Breslau die frühere Adolf-Hitler-Straße sucht, kann sie finden: Der „Breslau Stadtplan 1945“, neu gedruckt in Wroclaw 1992, liegt jetzt vor. Nein, nicht ein heimwehgeplagter Verleger aus der Landsmannschaft hatte den Einfall, sondern ein geschäftstüchtiger Pole, der weiß, was alte Breslauer, die jetzt durch Wroclaw spazieren, brauchen. Ein Verzeichnis der Straßen, Plätze, Brücken und Parkanlagen enthält nur deutsche Namen – „die polnischen muß man auf der Rückseite suchen“, klagt ein Kommentator und stellt resigniert fest: „Geschäft ist Geschäft.“ Auf polnisch: biznes jest biznes.

Schwaben und Franken

Gotthelf Zwickel, der geldpolitische Sprecher der bayerischen SPD, protestierte jetzt energisch gegen die „monetäre Vergewaltigung“ des Franken durch den Schwaben Theo Waigel. Der Finanzminister hatte vorgeschlagen, Europas künftige Währung so zu nennen, nachdem die Idee des CSU-Wadenbeißers Gauweiler („Esperanto-Geld“) in Bankkreisen nicht goutiert worden war. Angesichts von Waigels Verdiensten um die Aufweichung der harten Mark schlägt Zwickel vor, das Eurogeld einfach Theo (fränkisch: Deo) zu nennen.

Deutsche Panzer in Afrika

Eine sonderbare Meldung erreicht uns soeben aus Luanda: „Waffenlieferung aus Hamburg eingetroffen. Soldaten der Bundeswehr rollen mit Panzern der Nationalen Volksarmee in Angola ein.“ Wir reiben uns verwundert die Augen. Deutsche Soldaten out of area? Da sei die Verfassung vor! Das Grundgesetz kümmert die Pioniere aus den alten und neuen Ländern in diesem Fall herzlich wenig. Warum? Weil sie längst abgemustert haben und die Kanonen der Panzer abgesägt wurden. Nachdem die Tanks alle diplomatischen Panzersperren des Bonner Auswärtigen Amtes umfahren haben, dürfen sie jetzt endlich für den Frieden rollen – als Minenräumgeräte. Zehntausende von tückischen Minen liegen im Boden Angolas, eine Erblast des grausamen Bürgerkrieges. Rupert Neudeck vom Komitee Cap Anamur/Deutsche Notärzte e.V. hat die Exsoldaten angeheuert und das Gerät umrüsten lassen. Er sucht weitere Freiwillige: Panzerfahrer, Pioniere, Mechaniker. Einzige Bedingung: Sie „müssen humanitär motiviert sein, nicht militärisch-kommißmäßig“. „Rekruten“ melden sich beim Komitee Cap Anamur, Kupferstraße 7, W-5210 Troisdorf.