Von Jürgen Duenbostel

Die frische Brise aus Südafrika ist bis nach Kenia hinauf zu spüren. Bereits vor dem Referendum am Kap, bei dem im März die Weißen für ein Ende der Apartheid stimmten, hatten Kenias Präsident Daniel arap Moi und Südafrikas Präsident Frederik Willem de Klerk vereinbart, ihren nationalen Fluggesellschaften die Route Nairobi-Johannesburg wieder zu eröffnen. Für die tief in roten Zahlen steckenden Kenya Airways bedeutet diese profitable Strecke neuen Aufwind. Und de Klerk möchte es nicht bei solch einer Geste belassen. Schon im vergangenen Jahr hatte er bei seinem Staatsbesuch in Nairobi deutlich gemacht, was sein Ziel ist: die Schaffung einer regional gegliederten gesamtafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft mit den Zentren Nairobi, Lagos, Kairo und Johannesburg.

Der Vorschlag macht Sinn. In Kenia, Nigeria, Ägypten und Südafrika befinden sich die größten Industriezentren des schwarzen Kontinents. Und fast alle Unternehmen in diesen Zentren haben ein gemeinsames Problem: Nur hinter hohen Zollmauern können sie existieren. Würden sie von heute auf morgen schutzlos dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt, drohte ihnen die sofortige Pleite. Innerhalb Afrikas aber wäre – zunächst unter Beibehaltung von Außenzöllen für den gesamten Kontinent – weit mehr Warenaustausch und Wettbewerb zum wechselseitigen Vorteil möglich. Dies könnte eine allmähliche Annäherung an internationale Produktionsstandards erleichtern. Ohne verstärkte Zusammenarbeit und Arbeitsteilung wird es auf dem Kontinent dagegen kaum neue Wachstumsimpulse geben.

Theoretisch haben das viele afrikanische Länder eingesehen. Die Organisation für afrikanische Einheit (OAU) hat seit langem eine afrikanische Wirtschaftsgemeinschaft auf ihr Programm geschrieben. Doch den Worten sind bislang wenig Taten gefolgt. Nun aber wird Südafrika als größte Wirtschaftsmacht in Afrika einen neuen, kräftigen Anstoß für Einigungsbemühungen geben. Wollen die anderen afrikanischen Staaten dann nicht von der starken südafrikanischen Konkurrenz überrollt werden, müssen sie sich schleunigst enger zusammenschließen.

Die Regierung in Kenia hat das als eine der ersten erkannt und kürzlich mit Tansania und Uganda einen Vertrag unterzeichnet, der die Ostafrikanische Gemeinschaft Wiederaufleben lassen soll, die 1977 an internen Differenzen zerbrochen war. Gleichzeitig streckt Kenia die Hand nach Südafrika aus. Touristen vom Kap könnten zusätzliche Devisen bringen. Südafrikas Markt hat noch Platz für Kenias Kaffee, Tee und Sodaasche, und die Konzerne vom Kap sind an Gemeinschaftsunternehmen in Kenia interessiert. Solche Investitionen wären in Nairobi hoch willkommen, nachdem Unternehmen aus Europa und den Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren eher desinvestiert haben.

Vor allem aber sucht Kenias regierende Kanu-Partei neue Freunde. Denn vorbei sind die Zeiten des Kalten Krieges, in denen der ostafrikanische Staat sich als Bollwerk des Kapitalismus im sonst eher sozialistisch organisierten Afrika großzügiger westlicher Gunst erfreuen konnte. Seit der sowjetische Einfluß in Afrika verflossen ist, hat der Westen Menschenrechtsverletzungen und Korruption in Kenia entdeckt, und der Potentat Moi sieht sich unversehens von der Rolle des Musterknaben in die des Prügelknaben versetzt.

Korruption und Mißmanagement