ZDF, Samstag, 6. Juni: Damen-Endspiel bei den French Open in Paris

Auf dem Programm steht: "Das Duell der Königinnen". Der deutsche Mensch (und lebenslange Oberschüler) denkt sogleich mit Macht an die Damen Elisabeth (England) und Maria (Schottland) bei ihrer fetzigen Begegnung im Park zu Fotheringhay. "Zwei Huren", bemerkte hierzu Goethe spitz, die sich keifend ihre "Aventuren" vorhalten.

Heute nachmittag heißen die sich duellierenden Königinnen Monica und Stefanie. Sie begegnen einander nicht auf grüner Aue, sondern auf roter Asche. Ihr Gewerbe ist nicht die königliche Hurerei, sondern das keusche Tennisspiel.

Und ihr Dichter, Sänger, Kommentator heißt nicht Friedrich Schiller, sondern Eberhard Figgemeier. Unser Mann vom ZDF.

Zunächst einmal allerdings ist die Tennis-Affäre der beiden hohen Damen alles andere als ein Königsdrama. Frl. Monica betreibt ihr Hand- und Schlagwerk entschlossen-rabiat, Frl. Steffi ("die Brühlerin") wirkt wieder einmal traurig und zerfahren. Ein deprimierendes Ende droht.

Doch unversehens wird aus dem banalen Damen-Gezänk doch das Verheißene: ein Duell der Königinnen. Es ist unglaublich. Und unser Figgemeier sagt auch immer wieder, daß es unglaublich ist.

Aber sonst sagt er leider nichts, was der dramatischen, der geradezu klassikerhaften Wende des Spiels irgendwie angemessen wäre. Das Tennisspiel der beiden Fräuleins ist längst kein harmloses Spiel mehr, sondern ein kriegerisches Fest, ein Messerstechen und Blutvergießen ohne Messer und Blut.