Himmelfahrtstag. Eine Eisenbahnreise von Hamburg nach Berlin. Alles wie immer. Die Klimaanlage wie immer kaputt. Im Speisewagen das wie immer charmante Mitropa-Team.

Trotzdem verläßt der Reisende diesmal nicht erholt und tatenfroh den Zug. Er ist verstört. Denn etwas ist heute anders gewesen. Ein geisterhafter Hinweis auf der Anzeigetafel in Hamburg Hbf. „Dieser Zug (nach Berlin, d. Red.) hält nicht in Dortmund Hbf.“

Was war das? Ein Fehler im Computersystem? Der Fahrdienstleiter im Vatertagsrausch? Oh nein! Ein Wink des Himmels.

Der Nachtexpreß München-Venedig hält heute nicht in Osnabrück. Mozart auf der Reise nach Prag kam nicht über Bebra. Das scheint klar und regt keinen mehr auf. Dabei sollte jeder von uns innehalten und dankbar sein, wenn ihm das Selbstverständliche als das Wunderbare entgegentritt. Glück ist nicht, was uns widerfährt. Glück ist, was uns erspart bleibt.

Unsere Lebensreise mag beschwerlich sein – doch welche Gnade, daß sie an Dortmund fast immer vorbeiführt! Unsere Sommerreise auf die Kanaren – gewiß nicht originell und viel zu teuer. Doch welch ein Paradies erwartet uns – verglichen mit einer Sommerfrische in Dortmund! Unser abendlicher Wein, entweder entschieden zu süß oder definitiv zu sauer – doch welch ein Gaumenkitzel, verglichen mit Bitterbier aus Dortmund!

Wir brechen ab und stellen klar: Natürlich ist das „Dortmund“ dieser Zeilen mit der dynamisch-aufstrebenden Großstadt gleichen Namens weder identisch noch verschwägert – sowenig wie das „Augsburg“ Thomas Bernhards, die berühmte „Lechkloake“, mit dem schmucken südlichen Städtchen. Natürlich wissen wir längst, daß Dortmund ganz anders ist. Daß Dortmund die leidenschaftlichsten Fußballfans der Republik hat. Daß die schönsten Frauen Deutschlands im magischen Dreieck Dortmund-Wanne-Wattenscheid das Licht der Welt erblicken. Kurzum, wie schon Goethe in seinem „Ruhrfaust“ dichtete: „Das Ewig Weibliche / Hier wirds Ereignis / Dortmund und Bochum / Alles nur Gleichnis.“

Endstation. Dieser Beitrag hält in Dortmund. Alle aussteigen. Schön, daß Sie unsere Gäste waren! Finis