Von Gisela Dachs

Normalerweise wäre Oskar Lafontaine diese Woche nach Japan geflogen. Seit kurzem aber ist die Welt nicht mehr in Ordnung für den Ministerpräsidenten des Saarlandes. Am vergangenen Dienstag mußte er im Saarbrücker Landtag um seinen Ruf kämpfen. In einer Sondersitzung beriet das Parlament über einen Mißtrauensantrag, den CDU und FDP gemeinsam eingebracht hatten. Die sechsstündige Debatte bot alles, was zu einem klassischen Politdrama gehört.

Es ging um Politik und Geld, um Macht und Medien, um Wahrheit und Ehre. Die neueste Ausgabe des Spiegel diente als Accessoire auf dem Pult mancher Abgeordneter. Die Grünen boten ein nicht mehr ganz originelles Intermezzo, indem sie falsche Geldscheine mit dem Portrait Lafontaines auf die Abgeordneten regnen ließen. Wie aufgezogene Spieläffchen wirkten die Abgeordneten, wenn sie jeweils brav den Rednern aus dem eigenen Lager Beifall spendeten. Es gab nur Angriff oder Verteidigung. Lafontaines Verteidigungsstrategie bestand vorwiegend aus Angriffen.

Acht Tage lang hatte der Sozialdemokrat damit zugebracht, Beamtenrecht und Verfassungsrecht zu studieren. Sichtlich angeschlagen, versuchte er nun, Fakten zu erklären, die bislang "niemand zur Kenntnis genommen hatte". Den Hauptvorwurf, er habe zu Unrecht Versorgungsbezüge bekommen, pariert er mit Hilfe von großen Schautafeln, die belegen, daß er von einer Regelung im Ministergesetz nur kurzfristig begünstigt würde. Je länger er aber im Amt bleibe, so die Botschaft – "und das habe ich vor" –, um so mehr würde er sogar benachteiligt.

Den zweiten Vorwurf, er habe darauf hingewirkt, daß der Landtag ein Gesetz beschließe, von dem nur er begünstigt werde, findet er abenteuerlich. Daß man ihm Geldgier unterstellt, treibt ihn fast zur Weißglut. Immer wieder bringt er deshalb ein Argument vor, das gar nicht zur Sache gehört, ihm aber wichtig erscheint: Schließlich verzichte er aus grundsätzlichen Erwägungen auf die Wahrnehmung von Aufsichtsratsmandaten. "Wie viele meiner Kollegen machen das?" fragt er.

Zum Gegenangriff holt Lafontaine auch aus, wenn er die "Rufmordkampagne" der Medien erwähnt, deren Opfer er geworden sei. Er echauffiert sich, wird laut. In einem Punkt nur läßt er die Anklage gelten: Warum er nicht früher auf die Korrektur seiner Versorgungsbezüge gedrungen habe. "Diesen Vorwurf akzeptiere ich." Doch in den Jahren 1989 und 1990 habe er aufgrund seiner "starken Beanspruchung" wenig Gelegenheit gehabt, auf die Aufklärung des Sachverhaltes zu drängen. Überzeugend wirkt das nicht. Die Opposition kommt später darauf zurück: So etwas sei nicht eine Frage der Zeit, sondern des Wollens.

Da ist noch ein Satz Lafontaines, der haftenbleibt: Er sei es leid, ständig mit dem Vorwurf der Selbstbedienung konfrontiert zu werden, "weil ich mich aus freien Stücken dazu entschlossen habe, meinen Berufsweg nicht in einem Unternehmen fortzusetzen, sondern politische Ämter zu übernehmen". Soll man ihm jetzt dafür danken?