Von Wolfgang Gehrmann

Ein leichter, aber dauerhafter Schmerz im Knie hat den Patienten zum Hausarzt geführt. Die Anamnese beginnt bei der Sprechstundenhilfe: Welche Kasse?

Bitte das Hosenbein hoch, haben Sie sonst Beschwerden, Kinderkrankheiten, Unfälle, frühere Operationen? Knie besehen und betastet. Ich verschreibe Ihnen einmal diese Salbe und Antirheumatabletten. Auf Wiedersehen, auf jeden Fall im nächsten Quartal.

Der Tausch der Papiere – Rezept gegen Krankenschein – ist für beide Seiten vorteilhaft. Der Patient kann mit der Hoffnung auf Linderung zur Apotheke gehen. Der Arzt hat nun den Krankenschein. Auf der Rückseite trägt er die Honorarabrechnung ein, streng nach dem Bewertungsmaßstab für kassenärztliche Leistungen (BMÄ). Eingehende Beratung und Untersuchung: 200 Punkte. Für jeden Punkt bezahlt die Kasse 8,5 Pfennig. Das macht 17 Mark.

Eine Woche lang reibt der Patient sich das Knie mit der Salbe ein. Die Tabletten, ein bewährtes Antirheumatikum, nimmt er nicht. Er hat im Beipackzettel gelesen, daß sie gelegentlich Magenblutungen verursachen. Preis für die Salbe: 19 Mark und 19 Pfennig, für die Tabletten im Müll: 18 Mark und 13 Pfennig – die Krankenkasse zahlt.

Die Schwellung bleibt. Der Arzt überweist zum Radiologen. Auf dem Röntgenbild ist nichts zu erkennen. Macht: 340 Punkte, 28 Mark und 90 Pfennig. Bei der Blutuntersuchung aber wurden erhöhte Leberwerte festgestellt.

Ehe nach sechs weiteren Wochen die kardiologische Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses diagnostiziert, daß kein Herzfehler vorliegt, der für die etwas gestaute Leber verantwortlich ist, die wiederum bei einer Leberspiegelung diagnostiziert worden war, sind noch ein Orthopäde, ein Internist und ein Leberspezialist in einer privaten Belegklinik eingeschaltet worden. Sie haben Blut abgenommen und an ein Labor geschickt, Ultraschallaufnahmen gemacht, Ergometrie, 24-Stunden-EKG, Farbdoppleruntersuchung. Alles ohne Befund.