Von Andreas Kilb

"Eine Art Angstapparat aus Kalkül."

Theodor Fontane: "Effi Briest", zitiert in "Fontane Effi Briest", 1974

Da ist der Eingang in die Dunkelheit. Berlin, Alexanderplatz: eine Tür, ein kurzer Flur, dann noch eine Tür, und man kommt an einen Ort, der schwärzer ist als Schwarz, lauter als Lärm, greller als Licht und kälter als die Kälte. Hier tobt eine Schlacht: der Angriff der Bilder auf den Verstand. Verspiegelte Wände, ein paar Steine über den Boden gestreut, darüber, auf Konsolen gehoben, die neuen Götter der Pest: Monitore. Sechzig Bilderkanonen, die aus allen Rohren feuern. Und jede verschießt einen anderen Film: Kurzfilme, Spielfilme, Fernsehserien, Theateraufzeichnungen. Sechzigmal Schreie, Umarmungen, Seufzer, Geflüster, Gemurmel, Gebrüll. Ein paar Minuten hält man das aus. Dann flüchtet man durch die niedrige Tür zurück auf den Platz.

Ist das die Hölle? Es ist die Unsterblichkeit. "In dieser Installation im Erdgeschoß", heißt es im Katalog der Ausstellung "Rainer Werner Fassbinder – Dichter, Schauspieler, Filmemacher" lapidar, "verdichtet sich das vierzehnjährige Schaffen Fassbinders zu einer optisch-akustischen Collage." Damit ist alles gesagt. Damit ist nichts gesagt: nichts über den Irrsinn dieses Raumes, der die Phantasien eines einzigen Kopfes in ein Monster mit sechzig Köpfen verwandelt, nichts über die Angst, mit der man eintritt ins stechende Geflimmer dieser Bildergruft, und über den Rausch, mit dem man sie wieder verläßt.

Der zweite Anlauf: vorbei an "Stadtstreicher" und "Das kleine Chaos", den ersten Kurzfilmen, über "Katzeimacher" und "Wildwechsel" zu den fünf Bildschirmen von "Acht Stunden sind kein Tag", den zwei Folgen "Welt am Draht", den Schreien von "Satansbraten", den Spiegeln von "Despair". Nur nicht stehenbleiben: rechts "Die Ehe der Maria Braun", links "Deutschland im Herbst" und "Die dritte Generation". Im Taumel durch "Berlin Alexanderplatz", "Lili Marleen", "Lola", "Veronika Voss", dann, endlich, "Querelle". Und dann ein Durchgang, eine Treppe, ein Aufstieg in ein anderes Reich, ein Ende der langen Qual...

So gelangt man in den ersten Stock.