ZEIT: Der EG-Ministerrat wollte ursprünglich am 17. Juni über die Beihilfen und Kapazitäten für den ostdeutschen Schiffbau entscheiden. Jetzt wurde der Beschluß auf unbestimmte Zeit verschoben. Wie lange kann die Volkswerft noch durchhalten?

Greven: Wir haben eigentlich keine Zeit mehr. Es springen die Kunden ab, weil sie daran zweifeln, ob wir wirklich liefern können. Und unsere Zulieferer verlangen wegen der Unsicherheit besondere Garantien und höhere Anzahlungen. Dies alles belastet die Werft in einer ohnehin schwierigen Situation zusätzlich. Es wäre daher fatal, wenn die Entscheidung noch mehrere Monate hinausgezögert würde. Das könnte tödlich sein.

ZEIT: Es geht ja nicht nur um den Zeitpunkt, sondern vor allem auch um den Inhalt der Entscheidung. Die Brüsseler Kommission verlangt von den ostdeutschen Werften einen Kapazitätsabbau um vierzig Prozent auf etwa 320 000 gewichtete Tonnen (CGT). Davon sind rund 210 000 Tonnen bereits vergeben. Den Rest müssen Sie sich mit der Boizenburger Elbewerft teilen. Bleibt für Sie genug Neubautonnage übrig, um auf eine wirtschaftliche Betriebsgröße zu kommen?

Uldall: Da jetzt sicher ist, daß Meyer auf Rügen keine neue Werft baut, gehen wir davon aus, daß es eine betriebswirtschaftlich ausreichende Kapazitätszuweisung für die Volkswerft geben kann. Unser Unternehmenskonzept basiert auf 110 000 Tonnen, Treuhand-Vorstand Klaus Peter Wild spricht von 80 000 Tonnen. Irgendwo dazwischen wird zukünftig unsere Neubautonnage liegen. Es besteht allerdings die große Gefahr, daß in Brüssel der Kapazitätsansatz für alle ostdeutschen Werften noch einmal reduziert wird. Das darf man nicht unterschätzen. Wenn die Entscheidung immer wieder verschoben wird, dann mobilisiert das doch die Widerständler in den Reihen der Italiener, Spanier, Schotten oder Iren.

ZEIT: Sie sind nach dem Rückzug von Meyer offensichtlich richtig erleichtert.

Greven: Wir haben nichts gegen Meyer. Nur hätte ein Werftneubau auf Rügen nicht zu Lasten der Volkswerft gehen dürfen. Wenn es das Problem mit der Zuteilung der Neubautonnage nicht gäbe, hätten wir uns sogar eine Kooperation mit Meyer vorstellen können.

ZEIT: Selbst wenn Sie die erhoffte Tonnage erhalten, so ist doch ein erheblicher Personalabbau nötig. Wo liegt eigentlich für den Betriebsrat die Schmerzgrenze, Herr Heitmann?