Von Gunhild Freese und Dirk Kurbjuweit

Die Ware kam unverpackt, frei Haus und gegen Rechnung. Geliefert wurde, von Genua nach Turin, der teuerste Mann der Welt. Er ist Italiener und versteht sich darauf, Bälle mit Kopf und Füßen in Tore zu befördern. Sein Name: Gianluca Vialli. Sein Preis: vierzig Millionen Mark.

Es ist noch nicht lange her, da wechselte der bis dahin teuerste Mann der Welt für zwanzig Millionen Mark seinen Verein. Auch Vialli wird diese Krone nicht lange tragen. Fünfzig Millionen, sechzig Millionen, und ganz sicher kickt irgendwo schon einer, mit Schuhgröße 35, der wird irgendwann hundert Millionen Mark kosten.

Wo ein Ball ist, rollt auch der Rubel, schneller und schneller. Das gilt für Bälle aller Größen. Beim Grand Slam Cup, einem Tennisturnier in München, strich der Sieger 1991, Pete Sampras, für vier Spiele zwei Millionen Dollar ein. Davon kann Tischtennis-Europameister Jörg Roßkopf nur träumen. Aber eine sechsstellige Summe verdient er auch. Viele Sportler verdienen soviel, solange sie nur einigermaßen begabt die Werbefläche Körper bewegen können.

Soll man sich aufregen, weil Turnvater Jahn ganz anderes im Sinn hatte? „Sport ist heute ein Produkt, das so teuer wie möglich verkauft werden muß“, sagt Christian Neureuther, ehemals Skirennfahrer der Weltklasse und heute im Sportmarketing tätig. Recht hat er, also Schluß mit der hehren Nostalgie. Geld regiert die Leibesübungen, Geschäftssinn sticht Idealismus aus, und das auf fast allen Ebenen.

Wer sich als Zuschauer noch Illusionen macht, ist selber schuld. Bleibt die Frage, ob sich der Sport nützt, wenn er die Wirtschaft zu seiner Amme macht. Wo zum Beispiel ist die Bundesligamannschaft des Sportbunds Rosenheim, Deutscher Vizemeister im Eishockey, geblieben? Es gibt sie nicht mehr, weil ihr Sponsor den Geldhahn zugedreht hat. Wer sich Athleten oder Vereine kauft, bestimmt über deren Schicksal. Und manchmal zeigt der Daumen eben nach unten. Die Diktatur des großen Geldes, erpicht vor allem auf Werbung im Fernsehen, ändert im Sport mehr, als manchen Athleten und Vereinen lieb sein kann. Zudem jonglieren die Funktionäre zwar gerne mit großen Summen, doch oft genug so dilettantisch, daß am Ende ein Haufen Schulden bleibt. Sport und Wirtschaft – eine Ehe mit Problemen.

Die Europameisterschaft in Schweden präsentiert derzeit vor allem den Glanz des Unternehmens Fußball. Wenn Jean-Pierre Papin, Marco van Basten oder Rudi Völler zaubern, ist das Elend des Bundesligaalltags leicht vergessen. Dort nämlich werden miserable Leistungen gezeigt, allzuoft auf dem Rasen, fast immer in den Geschäftsstellen.