Von Heinz-Günter Kemmer

Sechs Millionen Mark könnte die BASF jährlich sparen, wenn sie auf der linken Seite des Oberrheins die gleichen Strompreise zahlen müßte wie auf der rechten. Max Dietrich Kley, der das vorrechnet, weiß, wovon er spricht: Er ist im Vorstand des Chemiekonzerns für die Energieversorgung zuständig. Für ihre Kassettenfabrik im badischen Willstätt beispielsweise bezieht die BASF Strom von der RWE-Tochter Rheinelektra. Gleichzeitig betreibt der Chemiegigant ein Werk im elsässischen Obenheim, das von der Electricite de France (EdF) versorgt wird.

Der billigere Strom aus Frankreich sticht der BASF denn auch seit langem in die Nase, aber dem Direktbezug von der anderen Seite des Rheins steht die Struktur der deutschen Stromversorgung im Wege. Acht Großunternehmen haben die alte Bundesrepublik unter sich aufgeteilt und lassen keine fremden Lieferanten in ihr Demarkationsgebiet. Einzig dem Glashersteller Vegla, einer Tochter des französischen Saint-Gobin-Konzerns, ist es bisher gelungen, Strom im Ausland einzukaufen. Aber das war nur möglich, weil ein Vegla-Werk unmittelbar an der holländischen Grenze liegt, die Leitung also nicht durch das „Hoheitsgebiet“ des Monopolisten RWE geführt werden muß.

Viele Unternehmen beneiden die Vegla, weil sie selbst ausnahmslos auf den Bezug von Strom aus deutschen Quellen angewiesen sind. Und der ist teuer, wie ein Preisvergleich der Vereinigten Industriellen Kraftwirtschaft (VIK) ergibt. Danach zahlte ein Industrieunternehmen Mitte vergangenen Jahres für eine Kilowattstunde (kWh) Strom in Düsseldorf 16,12 Pfennig, in Luxemburg dagegen bei gleicher Menge und gleicher Bezugsdauer nur 9,43 Pfennig. Ob Paris, Brüssel, Dublin, London oder Athen – überall kostet die Kilowattstunde Strom fünf bis sechs Pfennig weniger als in Düsseldorf. Lediglich in Mailand liegt der Strompreis nur zwei Pfennig unter dem deutschen Niveau.

Diese Preisunterschiede werden von den deutschen Stromversorgern überhaupt nicht bestritten. Rolf Bierhoff, Vorstandsmitglied der RWE Energie AG, räumt offen ein: „Gegenüber dem Strompreis in der Bundesrepublik zahlt ein durchschnittlicher Industriekunde zum Beispiel in Belgien nur gut siebzig Prozent, in Frankreich nur cirka zwei Drittel und in Dänemark nur cirka die Hälfte.“ Bierhoff sagt aber auch gleich, warum das seiner Meinung nach so ist:

  • teure heimische Steinkohle statt Importkohle,
  • hohe Aufwendungen für Umweltschutzmaßnahmen als Folge der deutschen Gesetzgebung,
  • vergleichsweise höhere Sicherheitsauflagen für Kernkraftwerke sowie
  • längere Bauzeiten.

BASF-Mann Kley hat allerdings ein weiteres Argument parat. Er schätzt, daß „in der deutschen Energieversorgung und -verteilung etwa 50 000 Menschen zuviel beschäftigt werden“. Die wichtigsten internationalen Versorgungsunternehmen, so rechnet er vor, beschäfigten für den Absatz von je einer Milliarde Kilowattstunden 0,32 Mitarbeiter, der Durchschnitt der Deutschen liege jedoch bei 0,48. Sein Fazit: „Bei einer vernünftigen Versorgungsstruktur wären somit Ende der achtziger Jahre in der öffentlichen Elektrizitätswirtschaft 109 000 Mitarbeiter beschäftigt gewesen, in Wahrheit waren es aber 160 000.“