Von Rosemarie Noack

Das Gute an Frankfurt ist, daß es in dieser Stadt schon sehr früh am Morgen losgeht, und zwar mit Verve und Tempo. Nicht so ein somnambules Herumgeschleiche wie bei uns in Hamburg, wo die Passanten am Samstagmorgen um elf noch nicht recht wissen, ob sie einkaufen oder doch lieber zurück ins Bett wollen.

Bis die Hamburger einander zum ersten Mal freundlich grüßen, haben sich die Frankfurter schon mehrmals angeblafft und mindestens einem Autofahrer den Vogel gezeigt. Und wenn im "Café Laumer" oder im "Café Schwüle" die klugen Köpfe der Mainmetropole längst hinter der Frankfurter Rundschau oder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verschwunden sind, liegen die Hamburger Blätter oft noch vor der Haustür.

Mit dem Zug in den Frankfurter Hauptbahnhof einzufahren ist immer wieder ein Erlebnis. Aus allen Himmelsrichtungen drängen die weitverzweigten Schienenstränge auf das behäbige, über hundertjährige Bauwerk zu, um dann, auf 24 Geleise verjüngt, wie schutzsuchend unter den Gewölben der hohen Halle zu verschwinden. Sackbahnhöfe wie der in Frankfurt geben dem Reisenden auf unnachahmliche Weise das Gefühl, angekommen zu sein.

Noch während der Anfahrt läßt die Stadt am Main den Neuling wissen, mit welchen Größenordnungen er es zu tun haben wird: Von weitem schon erscheint Frankfurts neues Wahrzeichen, der Messeturm des Architekten Helmut Jahn, im Blickfeld. Wie ein Riesenbleistift steht er da, die Spitze in den Himmel gebohrt, mit 265 Metern das höchste, alle anderen Bürotürme überragende Gebäude, das bisher höchste auch in Europa.

Nie hat sich die Finanz- und Wirtschaftsmetropole der Republik gescheut, anderen zu zeigen, welch potente Ehe hier Geld und Macht miteinander eingegangen sind. Ihre glas- und chromblitzende Skyline steht dafür.

Doch es gibt auch das andere, das kreative, Urbane Frankfurt, das dem Kommerz die schönen Künste zugesellt: Mit dem Museumsufer am Main entstand eine Kultur- und Flaniermeile, die allein schon Grund genug wäre, die Stadt zu besuchen. Nicht zu vergessen – die Frankfurter selbst, die echten und die Zugezogenen, dazu die vielen Fremden, die am Flughafen ankommen und für kurze Zeit in die Stadt gespült werden. Es sei einzigartig, meint Frankfurts Oberbürgermeister Andreas von Schoeler, wie die Menschen hier in diesem Spannungsverhältnis lebten.