Von Eva Marie von Münch

Cornelia Scheel und Hella von Sinnen wollen heiraten. Das derzeit bekannteste lesbische Paar Deutschlands will damit vor allem wohl eins erreichen: gesellschaftlich akzeptiert zu sein, und dies nicht nur jeweils als einzelne Person – als Fernsehmoderatorin oder Exbundespräsidententochter –, sondern als Paar, als Ehepaar eben, das den Vergleich mit der Ehe einer Landgerichtspräsidentin oder eines Intendanten – jeweils nebst Gatten oder Gattin – nicht scheuen muß. Ein verständlicher Wunsch.

Es fragt sich aber, ob die Institution Ehe, so wie sie heute in unseren Gesetzen geregelt ist, für homosexuelle Paare überhaupt paßt.

Was bedeutet Ehe? Die Weimarer Verfassung von 1919 formulierte in ihrem Artikel 119 klar und deutlich, was damals von der Ehe erwartet wurde: „Die Ehe steht als Grundlage des Familienlebens und der Erhaltung und Vermehrung der Nation unter dem besonderen Schutz der Verfassung.“

Im Grundgesetz von 1949 heißt es: „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung.“ Auf diesen Artikel 6 Absatz 1 beruft sich das lesbische Paar.

Der Schutz der Ehe fällt üppig aus in den Gesetzen unserer staatlichen Ordnung. Verheiratete haben Unterhaltsansprüche, ein Erbrecht, eine Witwen- oder Witwerrente als Altersversorgung und Steuervorteile von rund 20 000 Mark im Jahr, wenn ein Partner viel und der andere nichts verdient; bei der Erbschaftssteuer ist der überlebende Ehegatte nochmals deutlich privilegiert.

Bis zum Beginn der sechziger Jahre war dieser Eheschutz durchaus berechtigt, entsprach dem gesellschaftlichen Konsens. Es konnte erwartet werden, daß ein Paar nach der Heirat Kinder bekommen und daß der deutliche Schutz der Ehe zugleich die Gründung einer Familie und damit das Aufwachsen von Kindern subventionieren würde.