Auch im Zeitalter der Nichtraucherinitiativen ist es keine Seltenheit, daß wieder mal eine neue Zigarettenmarke auf den Markt kommt. Außergewöhnlich ist es jedoch, wenn ein Mineralölkonzern sich beim Zigarettendrehen versucht. So testet die Deutsche Shell jetzt in ihren Tankstellen-Shops in Hamburg und Fürth ihre erste eigene Zigarettenmarke namens Blend 2000. Die Marke ist mit 3,85 Mark für neunzehn Glimmstengel dem Billigsegment zuzuordnen, in dem sich bislang vor allem die Handelsmarken von Aldi oder Rewe tummelten. Die von Austria Tabak im Auftrage der Hanseaten in Berlin produzierte Blend 2000 soll bei Erfolgen im Testmarkt bundesweit in den 1700 Shell-Tankstellen offeriert werden. Der Vorstoß der Benzinverkäufer hat gute Gründe. Der Umsatz aus den „Nebengeschäften“ der Tankstellen steigt nicht nur seit Jahren permanent an, sondern ist jetzt schon fast lukrativer als das klassische Geschäft mit Sprit und Öl. Schon tragen die Glimmstengel mit vierzig Prozent zum Umsatz der sich immer mehr zu kleinen Supermärkten entwickelnden Shops bei. Wenn die deutschen Raucher sich, wie von den Shell-Strategen erhofft, angesichts der jüngsten Preiserhöhungen stärker den billigen Stäbchen zuwenden, hätte der Ende Juni scheidende deutsche Shell-Chef Hans-Georg Pohl seinem Nachfolger Peter J. Duncan ein schönes Abschiedsgeschenk hinterlassen.

Neue Namen – neues Glück?

Der Springer Verlag versucht es mal wieder mit dem vor allem im Fußballgeschäft erprobten Rezept. Damit soll nun das Springer-Flaggschiff Welt auf Sanierungskurs gehen: Mit einem „sehr aktiven Herausgeber Claus Jacobi“, so Springer-Chef Günter Wille, und einer künftig dreiköpfigen Chefredaktion soll das seit 1968 defizitäre Blatt die Wende schaffen. Einer der drei Neuen ist allerdings eigentlich ein Alter: Peter Gillies, schon in den achtziger Jahren Mitglied der Welt-Chefredaktion. Hinzu gesellt sich Gerhard Mumme, beim Springer-eigenen Hamburger Abendblatt stellvertretender Chefredakteur. Der dritte Mann, mit dem noch verhandelt wird, soll aus einem der renommierten Zeitungshäuser FAZ oder Süddeutsche Zeitung kommen. Das Nachsehen hat der amtierende Welt-Chef Manfred Schell. Der stand allerdings dem Blatt fast sieben Jahre vor – ohne eine Wende zum Besseren zu schaffen.

Wichtiges Signal für den neuen Welt-Kurs ist der für den Herbst geplante Umzug nach Berlin, wo sich das Blatt die für das Anzeigengeschäft schmerzlich vermißte regionale Basis schaffen soll. Von dort aus soll die kleinste der überregionalen Tageszeitungen (Auflage: 212 000, FAZ und Süddeutsche liegen über 380 000) wieder in die Offensive gehen: Mit einem wohl nun doch dem US-Blatt USA Today nachempfundenen kompakten Nachrichtenteil – vor allem aber mit stärkerer Aktualität – soll die überregionale Konkurrenz herausgefordert werden.

Ursprünglich wollten die Herren des Magic Kingdom nahe Paris erst in einem Jahr mit den ersten Zahlen herausrücken. In der vergangenen Woche aber brachen die Chefs von Euro-Disneyland ihr Schweigegelöbnis. Hartnäckige Gerüchte, daß es dem Vergnügungspark an Besuchern mangele, hatten sie aus der Reserve gelockt. Anderthalb Millionen Menschen sollen den Park seit der Eröffnung am 12. April besucht haben, verkündete Robert Fitzpatrick, Präsident von Euro-Disney. Das sind rund 30 000 pro Tag – gerade genug, um das selbstgesteckte Ziel von elf Millionen Besuchern im ersten Jahr zu erreichen.

Doch ob dieser Tagesschnitt auch im Winter erreicht wird, ist äußerst zweifelhaft. Und die Franzosen scheinen an dem amerikanischen Kulturgut vor den Toren ihrer Hauptstadt bisher keinen großen Gefallen zu finden: In dem Milliardenpark wird vor allem englisch und deutsch gesprochen.

Offenbar eignet sich der deutsche Osten hervorragend als Karrieresprungbrett für agile Jungmanager aus dem Westen. Leibhaftiger Beweis ist etwa Peter Bachsleitner (30), ehemals persönlicher Referent des ermordeten Treuhand-Präsidenten Detlev Rohwedder und derzeit noch Geschäftsführer der Werkzeugmaschinenfirma Fritz Heckert in Chemnitz. Nachdem Bachsleitner bei der Treuhandanstalt durchgesetzt hat, daß der Stammbetrieb des Exkombinats mit dreistelligem Millionenaufwand saniert wird, folgte er nunmehr dem Ruf von Veba-Chef Klaus Piltz nach Düsseldorf. Dort soll er vom 1. Juli an das Vorstandsbüro des Energiekonzerns leiten. An den Posten knüpfen sich große Erwartungen. Bisher ist es nämlich fast jedem von Bachsleitners Vorgängern gelungen, über diese Position in den Veba-Vorstand aufzusteigen. Dieselben Kompetenzen wie seine Vorgänger wird der Treuhand-Pionier aber nicht haben. Die Öffentlichkeitsarbeit wurde vom Vorstandsbüro abgetrennt und wird bereits seit März von Norbert Jaeger geleitet.