An seine Zeit als Direktor der rheinlandpfälzischen Landeszentrale für private Rundfunkveranstalter (LPR) denkt Helmut Bauer voll Vergnügen. Bei Gesellschaftsereignissen „sitzt man schließlich als Mediendirektor ganz vorne mit am Tisch und nicht irgendwo hinten wie der Chef des Eichamtes“, beschreibt er das besondere Flair dieses Jobs. Auch den Einkauf eines Fleischbrötchens bei McDonald’s gestaltete er schon mal zu einem richtigen Fest für das eigene Ego. „Der Showeffekt ist ganz schön, wenn sie mit Dienstwagen und Chauffeur da vorfahren.“ Einige seiner Kollegen aus den anderen Bundesländern hätten sich damals diskret erkundigt, so erinnert sich der Jurist, wie man zu einem Dienstwagen mit Fahrer komme. Der Trick sei ganz einfach, weihte Bauer sie bereitwillig in sein Geheimnis ein: „Sie stellen einen Boten ein, der fahren kann. Der fährt dann einfach immer öfter und öfter.“

Das Beispiel Bauers, der heute als Geschäftsführer von Radio NRW agiert, mag etwas exotisch sein. Aber eines ist allen fünfzehn Medienanstalten gemein: Sie schwimmen förmlich in Geld, und die Versuchung, damit verschwenderisch umzugehen, ist entsprechend groß. Gegründet wurden die Anstalten Mitte der achtziger Jahre, um die gerade entstehende Rundfunklandschaft zu kontrollieren. Sie vergeben seitdem Sendelizenzen, sollen Programme beobachten und darüber wachen, daß es zu keiner Machtzusammenballung in dem sensiblen Markt kommt – Aufgaben, die sie mit höchst unterschiedlicher Intensität wahrnehmen.

Für das üppige Finanzpolster der Medienverwaltungen haben die Politiker gesorgt. Rund zwei Prozent der Rundfunkgebühr von 23,90 Mark fließen, so ist es im Rundfunk-Staatsvertrag geregelt, an sie, insgesamt über hundert Millionen Mark jährlich. Mit jeder Gebührenerhöhung steigen dank dieser Koppelung automatisch die Budgets der Kontrolleure – egal, ob sie mehr Geld brauchen oder nicht.

So ist beispielsweise der Etat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) in nur drei Jahren von 19 auf 26 Millionen Mark gewachsen – und das, obwohl sie nach Erkenntnissen des Bayerischen Obersten Rechnungshofes (ORH) ohnehin nicht weiß, wohin mit dem Geld. In seinem Prüfbericht 1991 mahnt der ORH deshalb: „Es gilt zu vermeiden, daß sich bei der BLM der Bedarf an den Mitteln und nicht die Mittel am Bedarf orientieren.“

Zumindest bei den Gehältern haben die Medienbeobachter schon kräftig zugelangt. „Das zwischenzeitlich bei der BLM erreichte Gehaltsniveau liegt zumindest in den höheren Funktionsgruppen weit über dem des öffentlichen Dienstes und ist dem des Bayerischen Rundfunks vergleichbar beziehungsweise übersteigt dieses in einzelnen Funktionen sogar“, kritisiert der ORH. Das Argument der BLM: Von ihren Führungsleuten seien herausgehobene planerische und kreative Leistungen zu erbringen. Dank der Entlohnung sei dem Leistungsprinzip bei der BLM zum Durchbruch verholfen worden. Doch diesen Einwand finden die obersten bayerischen Buchprüfer als Verteidigung wenig überzeugend. „Die besondere Betonung des planerischen und kreativen Elements veranlaßt den ORH zu dem Hinweis, daß ähnliches auch in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes ohne zusätzliche Vergütungsanreize erwartet und erbracht wird“, heißt es spitz in ihrem Bericht.

Losgelöst von jeglichem Sparzwang, bedachte auch die Baden-Württembergische Landesanstalt für Kommunikation (LfK) ihre Angestellten mit besonders üppigen Gehältern. Im Prüfbericht 1990 monierte der Landesrechnungshof, „daß die finanziellen Leistungen der LfK an ihre Arbeitnehmer im Laufe der Zeit gegenüber dem öffentlichen Dienst ein immer höheres Niveau erreichen“. Mit der Entlohnung nach BAT-Tarif mögen sich die nordrhein-westfälischen TV-Aufpasser ebensowenig zufriedengeben wie ihre Kollegen im Süden. Statt am öffentlichen Dienst orientieren sie sich lieber an den weit höheren Gehältern des Westdeutschen Rundfunks.

Während die Medienbürokratie – fast unbemerkt von der Öffentlichkeit – in den Ländern beständig wächst, ist eine ihrer zentralen Aufgaben inzwischen fast erledigt: die Zulassung neuer, privater Rundfunkanbieter. Außer in den ostdeutschen Ländern sind nämlich die Frequenzen längst vergeben. Um ihre Existenzberechtigung nicht in Frage zu stellen, widmen sich die Kontrolleure mit Hingabe ihrem zweiten Auftrag, die Programme unter anderem auf Verstöße gegen Werberichtlinien oder Jugendschutz zu überprüfen. Kritisch gehen sie beispielsweise der Frage nach, ob Thomas Gottschalks Fußbekleidung Schleichwerbung ist oder nicht. Oder sie messen per Stoppuhr die Zeit zwischen zwei Werbeblöcken nach und intervenieren entschieden, wenn statt der vorgeschriebenen zwanzig lediglich sechzehn oder siebzehn Minuten dazwischen liegen.