Sarajevo brennt. Die Republik Bosnien-Herzegowina, jüngst erst in die Uno aufgenommen, fleht die internationale Gemeinschaft um militärischen Beistand an. Aber die einzigen, die helfen könnten, tun so, als wären sie nicht gemeint. Die Vereinten Nationen wollen nur dann mit 1100 Soldaten den Flughafen von Sarajevo für dringende humanitäre Hilfslieferungen öffnen, wenn die Bürgerkriegsparteien sich zu einem verläßlichen Waffenstillstand verpflichten – also noch lange nicht. Und die Nato verkündet zwar stolz, sie sei bereit, der KSZE bei friedenserhaltenden Einsätzen zwischen Vancouver und Wladiwostok zu helfen, vorausgesetzt allerdings, daß alle 52 KSZE-Staaten zustimmen – also am Sankt-Nimmerleins-Tag.

Wann endlich merken Uno und Nato, daß Vertröstungen nur zu weiteren Verwüstungen führen? Die UN-Charta erlaubt jedem Mitgliedsstaat, einem anderen, der angegriffen wird, zu Hilfe zu kommen – nicht unbedingt mit großen Armeen, aber wenigstens mit humanitären Maßnahmen, wenn nötig unter Militärschutz. Wer sich dazu nicht durchringen kann, sollte den Eingeschlossenen von Sarajevo wenigstens den Hohn hohler Versprechungen ersparen. –cb–