Wenn es um die Kultur des Schreibens geht, interessieren uns gemeinhin die mitgeteilten Inhalte oder die Entwicklungsgeschichte von Schriften. Der Technik des Schreibens hingegen widmen wir weniger Aufmerksamkeit. Dabei ist sie der Aspekt der menschlichen Kommunikation, dem die größte gesellschaftliche Relevanz zukommt.

Deutlich gemacht hat dies Sabine Segelken in ihrer Analyse unzähliger Schilderungen, Meinungen und statistischer Erhebungen zur Kurzschrift und zur Mechanisierung des Schreibens insbesondere im Büro. „Stenographie und Schreibmaschine“ ist eine Dissertation, woraus sich die Fülle des Materials erklärt, das die Verfasserin in Büchern und Zeitschriften aufgestöbert hat, die zumeist vergessen in Bibliotheken lagern.

Von einer Dissertation, gar noch im Fachbereich für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, erwartet niemand einen anregenden Lesestoff. Just das aber ist dieses Buch, das die Geschichte der Erfindungen für rationelles und schnelleres Schreiben darstellt und die gesellschaftlichen Konsequenzen.

Daß die Schreibmaschine die Stellung der Frau im Berufsleben geradezu umgekrempelt hat – wer wüßte es nicht? Doch Sabine Segelken räumt mit den Vorstellungen auf, die diesen Prozeß auf einen simplen Kausalzusammenhang reduzieren.

Erfreulich, daß die Verfasserin dieses zentrale Thema ihres Buches kritisch, jedoch ohne blaustrümpfige Polemik behandelt.

Thomas von Randow

  • Sabine Segelken: Stenographie und Schreibmaschine

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Bestimmungsmomente traditioneller Arbeitstechniken; Franzbecker Verlag, Hildesheim 1992; 289 S., 48,– DM