Von Reinhold Rombach

Der Wonnemonat Mai genießt in Börsenkreisen ein schlechtes Image. Eine Analyse der Züricher Bank Hoffmann bestätigt jetzt, daß der Mai zu Recht den Ruf eines miserablen Monats für Aktien genießt; in den vergangenen 22 Jahren entwickelten sich die Aktienkurse in den Monaten Mai und September sehr häufig schlechter als im Jahresdurchschnitt. Ob der jüngste Mai hier eine Ausnahme macht oder ob er ebenfalls zu den Durchhängern zählt, wird sich erst im weiteren Verlauf des Börsenjahres 1992 erweisen. Den Teilnehmern am ZEIT-Börsenspiel hat der Mai jedenfalls durchweg Gewinne beschert – wenn auch recht bescheidene.

An der Spitze der drei Wettbewerber liegt mit deutlichem Abstand Elisabeth Höller aus Zürich. Der Schweizer Vermögensverwalterin gelang es in den vergangenen fünf Monaten, aus einem Anfangskapital von 100 000 Mark einen Ertrag von über 20 000 Mark zu erwirtschaften. Auf Platz zwei rangiert Volker H. Düber von der Südwestdeutschen Genossenschafts-Zentralbank (SGZ-Bank) mit einem Zugewinn von knapp 8,6 Prozent.

Das Schlußlicht bildet nach wie vor Stefan Zapotocky, Wertpapierchef der Z-Länderbank Bank Austria, Wien. Allerdings schaffte der Österreicher, der vor einem Monat mit seinem Depot noch im Minusbereich lag, im Mai die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Im Vergleich zu den Mitbewerbern fällt sein Depotplus von bisher 2,9 Prozent zwar noch deutlich ab, aber er liegt immerhin besser als der MSCI-Weltaktienindex, der es in den vergangenen fünf Monaten lediglich auf einen Gewinn von 1,6 Prozent brachte.

Zapotocky schaffte die Wende durch eine deutliche Umschichtung seines Aktienbestandes. Dabei schreckte er auch nicht davor zurück, frühere Fehleinschätzungen zu verwerfen und durch neue Erkenntnisse zu ersetzen.

„Maculan und Universale sind Bauwerte, die eine sehr gute Beurteilung erhalten haben und von den Analysten empfohlen werden“, begründete Stefan Zapotocky seine Kaufentscheidung im April. Aber die gute Beurteilung nützte nichts. Der Aktienkurs von Universale liegt heute um mehr als zehn Prozent unter der Einstiegsmarke. Und die Maculan-Aktien mußte Zapotocky in der zweiten Maiwoche mit einem Verlust von 194 Mark wieder abstoßen.

Danach setzte der Wiener Experte zunächst auf die Aktien des österreichischen Konzerns ÖMV. Das Management der größten Mineralölfirma sei „sehr aggressiv“ und würde „sehr flexibel“ arbeiten, wenn es um die „Gewinnumschichtung und Erschließung neuer Märkte“ ginge, lautete die Begründung für den Einsatz von 20 000 Mark. Aber schon neun Tage später verkaufte der Österreicher die ÖMV-Aktien wieder. Der Gewinn betrug immerhin 651 Mark und 16 Pfennig.