Von Hans Harald Bräutigam

Die Zahlen sind eindeutig: Hautkrebs ist auch in der Bundesrepublik auf dem Vormarsch. In den fünfzehn Jahren zwischen 1974 und 1989 hat sich die Zahl jährlicher Neuerkrankungen bei Männern und Frauen fast verdreifacht: von 32 auf 94 pro 100 000 Einwohner und Jahr. Die Erkrankung ist wie viele andere Krebsleiden altersabhängig. Das gilt besonders für die aus der Grundschicht der Haut entstehenden Basaliome und Stachelzellkarzinome. Sie treten nach dem fünfzigsten Lebensjahr häufiger auf als die heimtückischen schwarzen Krebse, die malignen Melanome.

Die Unterscheidung bösartiger Melanome von harmlosen Pigmentflecken ist leicht, wenn die der amerikanischen Abkürzung folgende ABCD-Regel beachtet wird: Asymmetrie der Lokalisation des Bezirkes, unregelmäßige, ausgefranste Grenzen, die verwaschene und oft ins Rötliche gehende Farbe und ein Durchmesser der Geschwulst von mehr als sechs Millimetern.

Da der Übergang von einer atypischen Warze (Pigmentnaevus) zum Melanom Jahre Zeit braucht, sollten nach Meinung des Hamburger Hautprofessors Karl-Heinz Schulz Vorsorgeuntersuchungen dieser Patienten alle sechs Monate stattfinden. Grundsätzlich, so meint Schulz, sollten die Ärzte bei ihren Patienten immer die Haut des ganzen Körpers ansehen. Geschähe dies regelmäßig, dann könnten viel mehr Melanome rechtzeitig erkannt werden. Auch eine familiäre Belastung spielt für das Entstehen von Melanomen eine wichtige Rolle. Bei Kindern mit angeborenem Muttermal ist das Melanomrisiko vierzigfach erhöht. Der Dermatologieprofessor Eckhard Breitbart von der Universität Hamburg empfiehlt daher schon bei Neugeborenen die oberflächliche Abtragung der Pigmentflecken.

Wird der später auftretende schwarze Krebs schon im Stadium oberflächlichen Wachstums erkannt, dann beträgt die Fünf-Jahres-Überlebensrate rund achtzig Prozent. Ist die von den Pigmentzellen ausgehende Geschwulst bereits in die Tiefe vorgedrungen, dann haben nur noch vierzehn Prozent der Erkrankten trotz Operation und Chemotherapie eine Überlebenschance.

Merkwürdigerweise sitzen maligne Melanome bei Frauen meistens am Unterschenkel oder Fuß, bei Männern am Rücken, fast immer aber an wenig belichteten Hautstellen. Fachleute glauben allerdings, daß Sonnenbrand bei hellhäutigen kleinen Kindern eine fatale Rolle für das spätere Auftreten von Melanomen spielen könnte. Das erscheint angesichts der relativ kurzen Wachstumszeit der malignen Melanome nicht sonderlich überzeugend. Dann müßte nämlich die Verbreitung des schwarzen Krebses bei jungen Leuten unter zwanzig Jahren deutlich höher sein.

Indessen besteht ein enger Zusammenhang von Sonneneinstrahlung und den viel häufigeren anderen Hautkrebsen. Schon seit langem ist Fachleuten bekannt, daß Basaliome und die nur selten metastasierenden Stachelzellkrebse der keratinproduzierenden Zellen der Haut im äquatornahen Australien besonders häufig bei hellhäutigen Menschen auftreten. Die Intensität der dortigen Sonnenstrahlung führt dazu, daß in Australien rund 1500 (Bundesrepublik: 100) auf 100 000 Menschen erkranken.