Ihren Optimismus lebten die Börsianer in der vergangenen Woche bei Nebenwerten aus. So gehörten am Freitag die Aktien der Berliner Bank zu den Favoriten, weil sich die Anleger etwas von der Fusion mit drei anderen Hauptstadt-Banken versprechen. Die Papiere von Linotype-Hell, letztes Jahr arg gebeutelt, gewannen deutlich, nachdem die Firma neue Aufträge hatte hereinholen können. Und auch Porsche-Aktien bewegten sich nach oben, nachdem endlich glaubhafte Sparpläne vorgelegt wurden.

Ihre Zuversicht bezogen die Börsianer unter anderem aus der Europadebatte der vergangenen Woche. Die Entscheidung der Dänen gegen Maastricht hatte die Börse zunächst verunsichert. Als am Mittwoch bekannt wurde, daß auch Präsident Mitterrand ein Referendum zu den Maastrichter Verträgen plant, befürchteten viele, die Franzosen wollten sich einen hehren Abgang als Europäer verschaffen. Die Unsicherheit löste einen Kursrutsch aus. Der Deutsche Aktienindex, der am Dienstag noch bei 1801,39 Punkten gelegen hatte, schloß bei 1788,58 Zählern. Die Unsicherheit verwandelte sich jedoch noch im Laufe der Woche in Selbstbewußtsein: Der Devisenmarkt, auf dem Dänenkrone, Französischer Franc und vor allem der Ecu Federn gegenüber der D-Mark lassen mußten, hatte einigen Börsenakteuren gezeigt, daß die D-Mark und damit die deutsche Börse von dem Dämpfer für Maastricht profitieren können – solange jedenfalls der gesamte europäische Einigungsprozeß nicht grundsätzlich in Frage gestellt wird. Über das Pfingstwochenende legte dann die Mark auch gegenüber dem Dollar zu. So wurden die Dänen-Delle und die Kostensenkungspläne des Gesundheitsministers, die die Pharmawerte nach unten gezogen hatten, als lange erhoffte Auslöser für eine Konsolidierung genommen.

Zu Beginn der Woche behielt die Börse ihren vorsichtigen Optimismus. Aber die im April gesunkenen Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe dämpften die Phantasien auf einen schnellen Kursgewinn. Die Hoffnungen nähren sich indes aus den besseren Unternehmensgewinnen, die für das nächste Jahr erwartet werden. Dennoch bleibt die bange Frage, ob dreizehn Dax-Punkte als Konsolidierung für den Kursgewinn von gut zehn Prozent seit Jahresbeginn ausreichen. mib