Erhard Eppler

ehemaliger Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit

1. Vaterland, wenn wir das Wort unbedingt gebrauchen wollen, ist die Gegend, wo ich mich zu Hause fühle, zu der ich gehöre, wo meine Wurzeln liegen. Für mich ist dies das württembergische Schwaben. Da Schwaben, nicht erst seit gestern, ein Teil Deutschlands ist, bin ich auch Deutscher. Und da die deutsche Kultur eine Facette der europäischen ist, bin ich Europäer.

Dies läßt sich nicht gegeneinander ausspielen. Deutsche, denen ich ihre westfälische oder sächsische Herkunft nicht anmerke, finde ich meist langweilig. Der Europäer, der nichts sein wollte als Europäer, ist eine – wenig anziehende – Abstraktion. Spanische oder polnische Europäer wollen nicht mit Abstraktionen, sondern mit italienischen Europäern zu tun haben.

Vaterländer lassen sich nicht auslöschen, sondern nur aufheben in dem dreifachen Sinn, den Hegel mit diesem Wort verbunden hat: aufbewahren, hinaufheben und in ihrer bisherigen Gestalt annullieren. Deutschland ist für mich nur Vaterland, weil Schwaben darin aufgehoben, also auch aufbewahrt ist. Europa ist für mich nur akzeptabel, wenn darin Deutschland und in Deutschland auch Schwaben aufbewahrt, über nationalistisches Gezänk hinaufgehoben und – nur – als souveräner Nationalstaat annulliert ist. Meine Antwort also: Nur ein Europa der aufgehobenen Vaterländer kann übergeordnetes Vaterland sein.

2. Ich möchte, daß die Mark in einer europäischen Währung aufgehoben wird: gut aufbewahrt, auch in ihrer Stabilität, hinaufgehoben über nationale Konkurrenz. Dann darf sie verschwinden.

3. Wahrscheinlich vergrößert um Österreich, die Schweiz und Skandinavien. Mittelosteuropa kommt wohl erst nach dem Jahr 2000.