Zahlreiche europäische Wasserwege bieten sich für Urlaub auf dem Hausboot an. Für das Steuern und Manövrieren dieser schwimmenden Ferienwohnungen bedarf es – außer in Deutschland – keines besonderen Führerscheins.

Mehr als 8000 Kilometer lang ist Frankreichs Wasserstraßennetz. Alle mit Hausbooten befahrbaren Kanäle und Flüsse führen durch reizvolle Landschaften, vorbei an sehenswerten Städten, an Schlössern und Landsitzen und an berühmten Weinanbaugebieten. In praktisch jeder Region können Hausboote gemietet werden, unter anderem in Aquitanien, im Midi und in der Camargue, im Tal des Lot, in der Weinregion Burgund, im Elsaß genauso wie im Tal der Loire. Frankreichs bekanntester Kanal ist der bereits 300 Jahre alte Canal du Midi, der von Toulouse bis zum Etang de Thau bei Sète am Mittelmeer führt. Auf seiner etwa 240 Kilometer langen Strecke müssen mehr als 60 von Hand betriebene Schleusenanlagen durchfahren werden. Je nach Ausstattung, Größe und Saison kosten Hausboote pro Woche von 1344 bis 6000 Mark, jeweils zuzüglich Anreise, Verpflegung, Sprit und Nebenkosten. Informationen: Locaboat Plaisance, Ludwigstraße 1, 7800 Freiburg, Telephon 0761/38 10 85 und Französisches Fremdenverkehrsamt, Westendstraße 47, 6000 Frankfurt 1, Telephon: 069/756 08 30.

Ganz Holland ist von einem weitverzweigten Fluß-, Kanal- und Seensystem durchzogen. Eines der beliebtesten Reviere für Ferien auf Hausbooten ist die fast sechzig Kilometer lange, nahezu schleusenfreie Friesische Seenplatte. Als einer der besten Ausgangspunkte gilt die am Ijsselmeer gelegene Stadt Lemmer. Die Chartermieten pro Woche liegen gestaffelt nach Saison und Schiffsgröße zwischen 1120 und 3500 Mark. Weitere Auskünfte über: Brenneisen Yachtcharter, Gottenheimer Straße 19, 7801 Umkirch bei Freiburg. Telephon: 07665/512 80 und Niederländisches Büro für Tourismus, Laurenzplatz 1-3, 5000 Köln 1, Telephon: 0221/23 62 62.

Nur rund 170 Kilometer nordöstlich von London befinden sich die Norfolk Broads, Englands bedeutendste Wassersportregion. Sechs Flüsse verbinden mehrere Seen untereinander und bilden zusammen ein Wasserstraßennetz von 350 Kilometer Länge. Das ideale Anfängerrevier ist strömungsarm und schleusenfrei. Die Norfolk Broads zählen zum trockensten und sonnigsten Teil der gesamten Britischen Inseln. Gründe zum Ankern gibt es häufig: Die in Ufernähe gelegenen Pubs haben eigene Anlegeplätze. Verschieden große Hausboote, die ab Wroxham starten, kosten je nach Jahreszeit von 1050 bis 3000 Mark. Informationen: Bodingbauer Yachtcharter, Zapfweg 18, 8000 München 60, Telephon: 089/83 06 91 und Britische Zentrale für Fremdenverkehr, Taunusstraße 52-60, 6000 Frankfurt, Telephon: 069/238 07 11.

In Nordirland liegt die Seenplatte des Erne, Europas einsamstes Charterbootrevier, mit einer Länge von 80 Kilometern und einer Ausdehnung von 237 Quadratkilometern, ein wahres Labyrinth von schmalen und breiteren Flußarmen, zwischen rund 170 Inseln. Die einzige Schleusenanlage befindet sich in der Stadt Enniskillen. Die Wochenmieten für ein Hausboot liegen – abhängig von Größe und Saison – zwischen 1150 und 3480 Mark. Anreise und Verpflegung kosten extra. Informationen gibt es in allen Reisebüros mit Dertour-Vertretung und bei der Northern Ireland Tourist Board, Taunusstraße 52-60, 6000 Frankfurt, Telephon 069/23 45 04.

Nur etwa zwei Fahrstunden nördlich von Berlin ist Deutschlands bestes Hausbootrevier zu finden, die Mecklenburgische Seenplatte. Allerdings wird hier – im Gegensatz zu den anderen europäischen Revieren – der amtliche Sportbootführerschein verlangt. Ausgangsort für Exkursionen ist die Stadt Waren am Nordufer der Müritz. Nach dem Bodensee ist die Müritz – mit einer Fläche von 117 Quadratkilometern und einer Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung von 27 Kilometern – der zweitgrößte deutsche See. Die Wochenmieten für ein Hausboot schwanken je nach Saisonzeit, Größe und Ausstattung zwischen 1130 und 4790 Mark. Auskünfte und Buchung: Kuhnle-Tours, Nagelstraße 4, 7000 Stuttgart 10, Telephon 0711/16 48 20.

Norbert M. Königstein