Die Verjährung von NS-Morden war lange Zeit umstritten. Am Ende wurde die Verfolgung von Mord auf dreißig Jahre begrenzt, die Verjährung von Völkermord völlig aufgehoben. Am Anfang der Debatte hielt der CDU-Abgeordnete Ernst Benda am 10. Mai 1965 im Bundestag eine weithin beachtete Rede, in der sich auch die Widerstände gegen jeden Verjährungsaufschub widerspiegeln. Hier ein knapper Auszug:

Ich sehe mich nicht in der Lage, in dieser Sache ohne Leidenschaft zu diskutieren. Ich meine, daß das eben angeführte Wort Leidenschaft in seinem eigentlichen Wortsinn gebraucht werden muß: Wir leiden! Wir leiden unter dieser Frage, meine Damen und Herren, und mit uns leidet das ganze deutsche Volk.

Was ist denn das, was wir in diesem Hause, was wir in der Politik tun? Wir in diesem Hause, auf der Ebene der Gemeinde oder wo immer? Es ist doch egal, ob wir hier als Juristen oder als Angehörige anderer Berufe in unserem Privatleben stehen: Wir versuchen doch, die Gerechtigkeit zu unserem Teil und zu unserer Zeit, ich sage nicht: zu verwirklichen – das ist ein fernes Ideal –, sondern anzustreben, der Gerechtigkeit etwas näherzukommen.

Es wird in dieser Frage sicherlich keine einstimmige Entscheidung geben können, und das wäre auch nicht gut. Ich mißtraue allen, die in dieser Frage einstimmige Entscheidungen getroffen haben, allen! Ich glaube, in dieser Frage ist es viel achtbarer, wenn man sich uneins ist.

Es gibt Stimmen, auch von mir sehr geachteter Kollegen meiner eigenen Fraktion – ich spreche das mit sehr großem Zögern an –, die die Begriffe der Gnade und der Vergebung in die Diskussion einbringen. Dazu sind zunächst einmal nur die Opfer legitimiert, wir, glaube ich, nicht.

Ich komme zu einem für mich noch wichtigen Punkt. Es gibt eine zunehmende Neigung, im Zusammenhang mit unserem Thema auch nach Verbrechen anderer zu fragen. Meine Damen und Herren, ich weiß es, und wir alle wissen es, daß im Zusammenhang mit der Vertreibung, im Zusammmenhang mit den Ereignissen der letzten Kriegsjahre Verbrechen nicht nur von Deutschen, sondern auch an Deutschen geschehen sind. Wer von uns wüßte das nicht? Und wir sollten das hier auch aussprechen.

Es ist leider wahr, daß Unrecht geschehen ist in meiner Heimat, in Berlin, in Pommern, in der Tschechoslowakei.