Von Klaus Scheffer

Gut gemeint hat er es ja, der Berti Vogts. Die Ankündigung des Bundestrainers, keinen Spieler mit zur Europameisterschaft nach Schweden zu nehmen, der noch in Verhandlungen über Vereinswechsel stecke, sollte Ruhe in die Vorbereitung bringen. Schade nur, daß Worte und Taten sich so selten in Übereinstimmung bringen lassen.

Hätte Vogts Ernst gemacht, müßte er in Schweden ohne Sechs spielen. Bei Andreas Möller, um den es bei der Vogts-Drohung zuvorderst ging, weiß mutmaßlich noch nicht einmal der Spieler selbst, ob er künftig für Juventus Turin oder doch noch für Eintracht Frankfurt kickt. Thomas Helmer, Vertragstrickser aus Dortmund, muß befürchten, demnächst wieder im gelben Borussen-Trikot aufzulaufen. Aber da könnte ihm Nationalmannschaftskollege Stefan Reuter im Wege stehen; hat doch die Borussia, des Helmerschen Kuddelmuddels überdrüssig, den flinken Franken bei Juventus Turin losgeeist.

Reuter weiß jetzt wenigstens, wo er demnächst spielt. Davon kann bei Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann keine Rede sein. Klar ist nur, daß Inter Mailand beide loswerden möchte. Zu allem Überfluß mußte dann Rudi Völler zur eigenen Überraschung erfahren, daß er seine Tore womöglich demnächst für Olympique Marseille statt wie bisher für den AS Rom schießen werde. Publikumsliebling „Ruuudi“ wäre auch das recht, plant er doch ohnehin, spätestens im übernächsten Jahr sein Fußballer-Salär in japanischen Yen zu verdienen.

Vorbei sind die Zeiten, als ein Idol wie Uwe Seeler lukrative Angebote aus Italien ablehnte, weil sein Herz einzig und allein für den Hamburger SV schlug. Heutzutage zählt im bezahlten Fußball nur noch das Geld. Ein Spieler kann schnell reich werden – unter der Bedingung, daß er möglichst oft den Verein wechselt. Nur dann kann er nämlich immer besser dotierte Verträge aushandeln, außerdem haben die meisten Stars Klauseln in ihren Kontrakten, die ihnen Beteiligungen an den millionenteuren Ablösesummen einräumen.

Im Schnitt bleibt ein Fußballprofi nur noch zwei Jahre bei einem Verein. Doch der Wandertrieb wird ihnen allzuoft auch nahegelegt: durch sogenannte Berater. Die vertreten die Interessen der Profis bei Vertragsverhandlungen – gegen Provision, versteht sich. Zwischen fünf und zehn Prozent der Ablösesumme steckt sich ein solcher Berater in die Tasche, wenn er einen Klienten an einen neuen Club vermittelt.

Ein Großverdiener der Branche ist der Mönchengladbacher Norbert Pflippen, erklärter Anhänger seines Heimatvereins Borussia Mönchengladbach – was ihn indes nicht daran hindert, ständig die besten Gladbacher an die Konkurrenz zu verhökern. Zum Beispiel Lothar Matthäus. Pflippen erkannte früh das Talent des mit achtzehn Jahren an den Bökelberg gekommenen Franken und nahm ihn unter seine Fittiche. Matthäus erteilte seinem Berater die Vollmacht, alle geschäftlichen Verhandlungen in seinem Namen zu führen. Eine Abmachung, die sich für beide lohnte: 1984 wechselte der Nationalspieler zu Bayern München, vier Jahre später verkauften die Bayern ihn für 7,4 Millionen Mark weiter an Inter Mailand. Pflippen kassierte bei beiden Deals.