Von Jürgen Dahl

Wir geben unseren Katzen keine Namen mehr. Irgendwann enden sie doch unter einem Auto, und es ist etwas leichter, eine namenlose Katze zu begraben als einen Felix oder eine Trine.

Das ist einer der Punkte, in denen das romantische Bild des arkadischen Lebens im Grünen von der Realität abweicht. (Nur am Rande erwähne ich die Bienen, die der Imker hinten am Zaun aufgestellt hat, weil dort ein Rapsfeld beginnt. Der Raps, eine moderne Neuzüchtung, macht die Bienen aggressiv, sie stürzen sich auf uns und stechen sogleich zu. Aber später bekommen wir drei Gläser Rapshonig.)

Viel tiefer anrührend sind die Bilder des Todes, und die gibt es Tag für Tag. Zum Beispiel, wenn in der Morgendämmerung der Fuchs da gewesen ist und sich eine Gans geholt hat – natürlich diejenige, die immer am wachsamsten und mutigsten war. Oder wenn der Marder das Hühnervolk dezimiert hat. Da liegen dann zerrissene Leiber, abgebissene Köpfe und Flügel unter der Hecke, blutverschmiert.

Natürlich versucht man, den Verlust als eine Art Zehnten abzubuchen, den man "der Natur" schuldig ist. Zur Geflügelhaltung auf dem Lande gehört eben, so sagt man sich, das Einverständis, ein paar wilde Räuber mit zu ernähren.

Aber man lernt auch jenen ohnmächtigen Zorn kennen, der heute als ungehörig gilt, weil er ja mit daran beteiligt war, den Ehrgeiz zu schüren, mit dem die Menschen Herren über die Natur werden wollten und sie schließlich denaturierten. Der Zorn kocht trotzdem. Idyllisch ist das alles nicht.

Der Tod ist allgegenwärtig im Garten, und das meiste Fressen und Gefressenwerden bleibt unsichtbar. Selbst die Sonne kann den Tod bringen und hat ihn in den letzten Wochen gebracht. Nicht immer kann man schnell genug verdurstende Pflanzen retten, und bei manchen Gehölzen ist es schon zu spät, wenn die ersten Anzeichen des Sterbens sichtbar werden – das ist die Lehre fürs nächste Jahr.