Fünfzehn Jahre nach dem deutschen Herbst des Terrors, dreizehn Jahre nach Fassbinders Terroristen-Komödie "Die dritte Generation" drehte der Filmemacher Christoph Schlingensief auf einem alten Gelände der Nationalen Volksarmee in Brandenburg die Komödie "Terror 2000"

Von Helmut Schödel

"Jede Zeit hat ihren eigenen Realismus."

Pasolini

Auf der Autobahn Berlin-Dresden erreicht man nach etwa fünfzig. Kilometern eine Ausfahrt, die es zu DDR-Zeiten nicht gab. Sie führt auf ein 45 Quadratkilometer großes Gelände, das man damals auf keiner Landkarte fand: Massow. Umzäunt, ummauert und von Wachtürmen umstellt, lebten hier gut 3000 Menschen, Soldaten einer militärischen Abteilung der Staatssicherheit. Man sagt, was sich nicht leicht beweisen läßt, hier seien auch Terroristen ausgebildet worden.

Die Schießplätze im Föhrenwald hinter dem – Kasernen- und Barackengelände sehen aus, als seien sie gerade eben verlassen worden, und im Sand vor den umgestürzten Zielscheiben liegen noch Hülsen von Handgranaten. Turmartig ragen gespenstische kleine Häuser aus dem Gelände, gemauerte Attrappen, scheinbar ohne Sinn verteilt zwischen Gräben und Bunkern. Was auch immer die Soldaten hier geübt haben mögen, jetzt erinnert es an ein überdimensionales Räuber-und-Gendarm-Spiel. Vor drei Jahren war es noch tödlicher Ernst, jetzt schon wirkt es kindisch, dumm und banal. So schnell geht das. Gras wächst darüber.

Aus Massow ist inzwischen ein riesiger Einkaufsmarkt geworden. Hier gibt es mitten im Wald Supermärkte und ein Fast-food-Restaurant. Gespenstisch ist Massow also immer noch. Zwei Kasernen hat man mit Ach und Krach in Hotels umgerüstet, und im Rasthof stoppen die Trucker. Unter dem Gelände aber soll es einen riesigen Atombunker geben, und eine Legende erzählt, dort habe sich eine Restarmee von achtzig Mann versteckt, die Rache der Stasi.