Vor fünfzig Jahren, am 14. Juni 1942, starb Heinrich Vogeler, der Mitbegründer der Worpsweder Künstlerkolonie, in einem Krankenhaus des Kolchos Budjonny im fernen Kasachstan. Im Sommer 1931, als schon aus der KPD Ausgeschlossener, war er in die Sowjetunion übergesiedelt. Wenige Jahre zuvor, 1928, hatte er sein wohl berühmtestes Bild, „Hamburger Werftarbeiter“, vollendet. Es sollte an den fünften Jahrestag des Hamburger Aufstands erinnern und verweigerte sich doch jedem heroischen Gestus. Statt den Mythos des Oktoberkämpfers zu kultivieren, zeichnete Vogeler ein komplexes Ensemble proletarischer Lebensbedingungen in Alltag und Politik. In einem schön gestalteten Bändchen hat Wulf D. Hund (Hamburger Werftarbeiter. Aus der Ästhetik des Widerstands; Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M. 1992; 82 S., 16,80 DM) den politisch-ästhetischen Gehalt des Bildes entschlüsselt: Statt nach Osten, ins gelobte Land der Revolution, richtet sich der Blick des Werftarbeiters nach innen. Der Kampf der vielen wird der nachdenklichen Reflexion des einzelnen ausgesetzt. Nicht Unterwerfung unter die Autorität eines allmächtigen ZK oder einer abstrakten Parteimoral, sondern Zweifel und Widerspruch – mit dieser Botschaft fand Vogeler in der bolschewisierten KPD freilich kein Gehör. V. U.