Patient im Mittelpunkt

An der Medizinischen Fakultät der privaten Universität Witten/Herdecke wird seit Beginn des Sommersemesters 1992 das umgesetzt, wovon in der Diskussion um eine Reform der Medizinerausbildung in Deutschland schon lange die Rede ist – wie es in einer Information der Universität heißt –, ein an den Problemen von Patienten orientiertes, selbstverantwortetes Lernen. Den 29 Studenten, die im April in das erste Semester aufgenommen wurden, wird das Grundlagenwissen der Medizin nicht mehr fächerspezifisch in Vorlesungen und Seminaren von Dozenten vermittelt; sie lernen vielmehr an ausgewählten Patientenfällen in Kleingruppen, Tutorien und durch Selbststudium. In den Tutorien fragen sie nach den Problemen der vorgestellten Patienten und sollen so selbstverantwortlich das für die Behandlung notwendige Wissen erwerben.

Studenten gründen Stiftung

Einen Vorstoß zur Verbesserung der Qualität der Lehre unternahmen jetzt vier Medizinstudenten der Universität Münster. Sie gründeten eine Stiftung „Lehre an der Medizinischen Fakultät Münster“ und haben es innerhalb von drei Monaten fertiggebracht, 130 000 Mark auf ihrem Gründungskonto anzusammeln. Das Stiftungsgeld, dessen treuhänderische Verwaltung der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft übernommen hat, soll für eine Reihe von Förderungsprojekten ausgegeben werden. So sollen etwa im Hinblick auf eine europäische Medizinausbildung semesterbegleitende Fremdsprachenkurse angeboten werden, die Kenntnisse in der Behandlung fremdsprachiger Patienten vermitteln.

Hilfe für Zehetmair

Wenn das Beispiel Schule macht, sind die Kultus- und Wissenschaftsminister bald eine Reihe von finanziellen Sorgen los. Ein Erweiterungsbau der Station für Binnengewässerkunde der Technischen Universität München konnte nur deshalb jetzt seiner Bestimmung übergeben werden, weil der Leiter der Station, seine Mitarbeiter und Studenten selbst mit Hand anlegten. Sie besorgten den Ausbau eines alten landwirtschaftlichen Nebengebäudes und ersparten so dem zuständigen Minister Zehetmair einen Etatposten von 890 000 Mark. Kein Wunder, daß der sich höchst erfreut zeigte und „solchen Idealismus“ mit hochlobenden Worten bedachte. Bleibt nur die Frage, wie lange die eifrigen Werkstudenten brauchen werden, um die beim Bauen investierte Studienzeit wieder aufzuholen.

Hilfreich für Europäer

Im Gegensatz zu ihren französischen und britischen Kollegen scheinen die deutschen Professoren noch Berührungsängste vor Europa zu haben, heißt es im Freiburger Uni-Magazin. Sie stellen bei der zuständigen Kommission der Europäischen Gemeinschaft in weit geringerem Umfang Anträge zur Unterstützung ihrer Forschungsprojekte als die Wissenschaftler in Frankreich und Großbritannien. Hilfestellung bei Fragen zur Forschung in Europa gibt an der Freiburger Universität eine Kontaktstelle für EG-Angelegenheiten, Wissenstransfer und Wirtschaftskontakte. Sie vermittelt Kontakte und bemüht sich um eine frühestmögliche Information über Förderprogramme, zuständige Referenten und nationale Projektträger. Außerdem berät sie bei der Antragstellung und informiert über die bestehenden Förderprogramme.