Noch vor einem Jahr brachte er selbst seinen Rückzug ins Gespräch: Niki Lauda, 43, wollte aus dem Fluggeschäft aussteigen, falls sich seine Gesellschaft Lauda Air als verantwortlich für den Absturz eines Linienflugzeuges in Thailand erweisen sollte. 223 Menschen kamen im Mai 1991 ums Leben, als eine Maschine vom Typ Boing 767 verunglückte. Der dreifache Formel-1-Weltmeister sitzt zwar immer noch im Chefsessel. Aber ohne Folgen blieb der Absturz der Maschine nicht. 1991 schlossen die Österreicher ihr Geschäftsjahr mit einem Minus von 1,5 Millionen Mark ab. Folge für den Exrennfahrer: Er hält Ausschau nach finanzkräftigen Partnern. Interesse zeigt nun die Lufthansa-Tochter Condor, die wie Lauda Air überwiegend im Chartergeschäft aktiv ist. Derzeit wird noch über eine 25prozentige Beteiligung im Zuge einer Kapitalerhöhung bei der jungen österreichischen Linie (erwarteter Umsatz 1991/92: 257 Millionen Mark) verhandelt. Eine Vorentscheidung könnte schon auf der nächsten Lufthansa-Aufsichtsratssitzung am 7. Juli fallen. Als Stärke der Österreicher gelten der Service-Bereich, die Anbindung an den vergleichsweise wenig überlasteten Wiener Flughafen und die räumliche Nähe zum osteuropäischen Markt – gerade erst hat Lauda Air ein Büro in Budapest eröffnet.

Image-Einbußen durch den Absturz im Vorjahr hält man auf der deutschen Seite nicht für ein Manko. „Vor allem wegen der Unternehmerpersönlichkeit Lauda“, so ein Condor-Sprecher, sei das Ansehen in der Öffentlichkeit sogar besonders hoch. Der Rennfahrer, der wegen seines Comebacks nach einem schweren Unfall als Stehaufmännchen mit enormer Willenskraft gilt, begrüßt seine Passagiere regelmäßig persönlich an Bord – als Kapitän. Seine Zähigkeit hat er nicht nur im Sport, sondern auch im Fluggeschäft bewiesen: 1979 gründete er seine erste private Airline. Drei Jahre später mußte er mit hohen Verlusten aufstecken, doch schon 1984 war der Rennfahrer mit Lauda Air wieder im Geschäft.

Lange haben sie um die Autofahrer gekämpft. Vor zwei Jahren eröffnete dann das erste McDonald’s-Restaurant an der Autobahn Würzburg-Frankfurt. Und auch der nächste Schnellimbiß am Straßenrand kommt bald: zwischen Berlin und Hamburg. Bald werden die Autofahrer republikweit in die Burger der Amerikaner beißen können. Doch inzwischen heißt die Devise von umweltbewußten Deutschen, angeführt von Minister Klaus Töpfer, Schiene statt Straße. Diesen Trend will auch McDonald’s nicht verpassen.

Manfred Döring, Vizepräsident von McDonald’s Deutschland, hofft darauf, daß die Deutsche Service Gesellschaft (DSG) noch in diesem Jahr McDonald’s-Restaurants in EuroCity-, InterCity- und ICE-Zügen genehmigt. Die Deutschen könnten dann auch in der Bahn den Big Mac vertilgen – doch sie wären nicht die ersten Seit zwei Wochen bereits betreibt McDonald’s in einem Zug der Schweizerischen Bundesbahnen einen Imbiß – und ließ dafür den Waggon nach Art des Hauses umrüsten. Nicht nur innen, sogar außen wurde er neu gespritzt. Auch in der Bundesrepublik sollen die Waggons im Stil der Amerikaner umgebaut werden. Doch dem muß nicht nur die DSG, sondern auch Bundesbahn-Vorstand Heinz Dürr zustimmen. Und ob er das goldene M an seinen Zügen sehen will, ist noch fraglich.

Verkehrte Fronten. Die Industrie macht sich Sorgen um den Steuersäckel von Theo Waigel. Aus dem kalkulierten Plus von gut einer Milliarde Mark aus der Tabaksteuererhöhung Anfang dieses Jahres werde wohl richts, meint Hermann Feldgen, Sprecher der BAT Cigaretten-Fabriken, der Nummer drei auf dem deutschen Markt (HB, Lucky Strike).

Grund der ungewöhnlichen Warnung: Feinschnitt-Tabak für selbstgedrehte Glimmstengel wird deutlich geringer besteuert als fertige Zigaretten. Das brachte die BAT-Konkurrenz aus dem Hause Brinkmann – als Teil der Rothman’s-Gruppe Nummer fünf auf dem deutschen Markt – auf eine clevere Idee. Damit sich der Feinschnitt-Fan beim Selbstdrehen nicht mehr die Finger schmutzig machen muß, entwickelte Brinkmann die sogenannten tobacco rolls. Dabei wird der Tabak in hauchdünnen Papierröllchen geliefert, die der Raucher dann nur noch in die ebenfalls fertig gelieferte Hülle stecken muß. Der Trick dabei: Die Steckzigaretten werden nach deutschem Steuerrecht als Selbstgedrehte behandelt. Sie kostet daher nur etwa halb soviel wie die fertigen Glimmstengel der Konkurrenz.

Brinkmann brachte zunächst die Marke Westpoint in die Geschäfte. Als dann Reemtsma, die Nummer zwei auf dem deutschen Markt (Peter Stuyvesant, Ernte 23), mit ihren West-Quickies und jüngst gar noch mit West-light-Quickies nachzog, wurde es den anderen langsam unheimlich. Jetzt soll die Politik helfen. Bei der in Brüssel vorliegenden Richtlinie zur Steuerharmonisierung sollen zwar die tobacco rolls wie reguläre Fertigzigaretten behandelt werden, die Bundesregierung kann sich aber bis Ende 1998 mit der Umsetzung Zeit lassen. Dies wollen sich BAT und auch Marktführer Philip Morris (Marlboro, F6) nicht bieten lassen. Notfalls, so die unverhohlene Drohung, wollen sie selbst kurzfristig mit derartigen Steuersparzigaretten nachziehen. Tieferer Grund für die Aufregung: Nach dem Rekordabsatz von 147 Milliarden Stück Zigaretten 1991 werden es im laufenden Jahr mindestens sieben Milliarden Stück weniger sein.