Von Fritz Vorholz

Die Menschen leben zwar auf einem Planeten, aber in zwei Welten. Die Privilegierten haben in ihrer Unersättlichkeit die Erde ausgeplündert. Die Habenichtse freveln an der Natur, weil sie um ihre Existenz kämpfen. In Rio setzten Nord und Süd das gemeinsame Überleben erstmals auf die Tagesordnung der Weltpolitik. Doch an beiden Übeln, Elend und Überfluß, wird sich nach dem Erdgipfel zuwenig ändern.

Das Rio-Treffen war als Konferenz über Umwelt und Entwicklung geplant. Tatsächlich zählte die Stimme der armen Mehrheit der Menschen kaum. Deshalb sind auch die Beschlüsse zum Umweltschutz weniger wert, als die Papiere versprechen. Solange die Welt zweigeteilt bleibt, steuern beide Hälften weiter auf den Untergang zu.

Schon vor Rio hätte niemand die Wohlhabenden daran gehindert, die Natur zu schonen und ihre Wirtschaft endlich umweltverträglich zu organisieren. Längst hätten die Industriestaaten vereinbaren können, ihre Mißwirtschaft auf Kosten künftiger Generationen zu beenden. Statt dessen drücken sich auch nach Rio die meisten davor, endlich die Energiepreise drastisch zu erhöhen, um den Treibhauseffekt zu bekämpfen.

Mehr als alle anderen hängen die Amerikaner an einem way of life, unter dem der Rest der Welt zu leiden hat. Sie huldigen einem blinden Konsumfetischismus, als sei die Diskussion der vergangenen zwanzig Jahre spurlos an ihnen vorübergerauscht. Die einzige nach dem Ende des Ost-West-Konflikts verbliebene Supermacht ist unfähig, sich den neuen Herausforderungen der Menschheit zu stellen. Wo Führung dringender denn je wäre, klafft deshalb ein Vakuum.

In der Dritten Welt sind Hunger und Elend nicht nur Ursache, sondern auch Folge der Umweltzerstörung. Die Bekenntnisse zum Umweltschutz, denen die Entwicklungsländer in Rio zustimmten, liegen deshalb in ihrem eigenen Interesse. Aber solange Hunderte Millionen Menschen in absoluter Armut leben, wird sie auch weiterhin niemand daran hindern können, die Wälder zu roden, die Flüsse zu verseuchen und mehr Kinder in die Welt zu setzen, als die Natur auf Dauer vertragen kann. Wer nur eines tun will, entweder die Natur schützen oder die Armut bekämpfen, muß an der Wechselwirkung zwischen Umwelt und Entwicklung, von Ökozid und Massenelend scheitern.

Auch in Rio hat die Völkergemeinschaft noch nicht zu einem neuen Stil der Nord-Süd-Kooperation gefunden. Vielmehr rangen die Staatsmänner bis zuletzt verbissen miteinander darüber, wann der Norden endlich jene Marke von öffentlicher Entwicklungshilfe und globaler Solidarität erreichen soll, auf die man sich schon vor über zwanzig Jahren geeinigt hatte: 0,7 Prozent des Sozialprodukts. Dem Engagement des Bonner Umweltministers Klaus Töpfer ist es mit zu verdanken, daß in Zukunft wenigstens eine Kommission darüber wachen wird, welche Fortschritte auf dem Weg zu diesem Ziel gemacht werden.