DÜSSELDORF. – Friedhelm Farthmann, Chef der SPD-Landtagsfraktion, hatte ein ungutes Gefühl: Als seine Partei sich im vergangenen Dezember mit einem großen Jubelfest selber feierte (Motto: „25 Jahre erfolgreiche SPD-Regierung in NRW“), gab er zu bedenken, manche Bürger könnten da auch auf den Gedanken kommen: „25 Jahre sind nun wirklich genug.“

Ein halbes Jahr später scheint sich diese Befürchtung zu bestätigen. Und es war Friedhelm Farthmann selbst, der die Diskussion mit ausgelöst hat. Er lancierte eine Liste von Ministern, die er für pensionsreif hält, an die Öffentlichkeit. Darauf stehen Gesundheitsminister Hermann Heinemann (demnächst 64 Jahre), der unlängst mit einer Millionen-Subvention für ein privates Institut ins Gerede kam und die Ärzte im Land gegen sich aufbrachte. Ferner Wirtschaftsminister Günther Einert (61 Jahre), dessen Rücktritt auch schon der DGB wegen Einerts miserabler Strukturpolitik gefordert hatte.

Weiter auf der Liste: Kultusminister Hans Schwier (66 Jahre), dem ein Kienbaum-Gutachten bescheinigte, daß sich das Schulwesen in einem sanierungsbedürftigen Zustand befindet. Und schließlich Innenminister Herbert Schnoor (65 Jahre), der seit dem Gladbecker Geiseldrama angeschlagen und glücklos wirkt. Auf dem letzten SPD-Landesparteitag scheiterte er mit einer Reform der Kommunalverfassung, deren Kern die Abschaffung der Doppelspitze aus Oberbürgermeister und Oberstadtdirektor sein sollte.

Die Opposition läßt sich die Gelegenheit, der Regierung am Zeug zu flicken, nicht entgehen. Vor allem die CDU-Fraktion schlägt nun härtere Töne an. Einen „gewaltigen Erosionsprozeß“ hat deren Fraktionschef Helmut Linssen ausgemacht. Sein Stellvertreter Herbert Reul nennt das Kabinett von Ministerpräsident Johannes Rau eine „abgewrackte Führungsriege“.

Die Vorlagen für die Opposition hat die Regierung selbst geliefert – insbesondere jene drei Affären, die nun ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß beleuchten soll (siehe DIE ZEIT Nr. 25).

Affäre eins: Finanzminister Heinz Schleußer soll beim Kauf eines Grundstücks des Thyssen-Konzerns das Parlament übergangen haben.

Affäre zwei: Gesundheitsminister Hermann Heinemann werden persönliche Interessen an den Empfängern der 26-Millionen-Subvention für jenes private Institut nachgesagt.