Von Wilfried Kratz

Der Kontrast könnte schwerlich stärker sein. Rentner ziehen im Protest vor das Parlament in London. Ihre Plakate beschuldigen den "Räuber Robert" des "größten Betrugs aller Zeiten". Die Pensionäre erzählen anrührende Geschichten über ihre Notlage. Manche erhalten kein Geld mehr aus den Pensionskassen der Firmen des verstorbenen Bankrotteurs Robert Maxwell. Anderen wurde die Kürzung der Zahlung auf ein Drittel angekündigt.

Kevin Maxwell hingegen, der Sohn des Medientycoons, bevorzugt die Unauffälligkeit. "Ich habe nichts zu sagen", wehrt er Reporter ab, die ihn auf dem Weg von seinem Haus im Londoner Stadtteil Chelsea zu seinem Büro in der City zu stellen suchen. "Kein Kommentar" zu den sich verdichtenden Informationen, wonach Kevin und sein Bruder Ian tief in die Entwendung von etwa einer Milliarde Pfund aus den Unternehmen und den Pensionskassen der Maxwell-Firmen verwickelt gewesen sein sollen. "Kein Kommentar" zu Berichten, die Maxwells hätten auch nach dem Zusammenbruch des Firmenkreises Zugang zu Vermögenswerten, welche durch Zwischenschaltung von Stiftungen und Anstalten in Liechtenstein dem Zugriff der Zwangsverwalter noch entzogen sind.

Kevin weiß, warum er schweigt. Vor dem Sozialausschuß des Unterhauses, der sich mit der Lage der Pensionskassen befaßte, lehnte er auf Anraten seiner Anwälte Auskünfte mit der Begründung ab, er erwarte eine strafrechtliche Verfolgung und wolle sich nicht belasten. Diese steht bis heute jedoch aus.

Politischer Druck und die Proteste der mehr als 32 000 aktiven und im Ruhestand lebenden Mitglieder der Maxwell-Pensionskassen haben bewirkt, daß die konservative Regierung zumindest eine moralische Verpflichtung anerkannt hat. Sie will zweieinhalb Millionen Pfund geben, damit wenigstens die gestoppten Renten wieder gezahlt werden können. Ansonsten will sie Druck auf die Banken ausüben, damit diese Vermögenswerte, vor allem Aktien zurückgeben, welche die Maxwells den Einrichtungen für die betriebliche Altersversorgung entnommen und den Banken als Sicherheit für private Darlehen verpfändet hatten.

Außerdem will die Regierung eine Reform des von Kennern als völlig veraltet bezeichneten Rechtssystems der betrieblichen Pensionskassen einleiten, deren Leistungen angesichts der sehr kärglichen staatlichen Renten für die Altersversorgung von fast zwanzig Millionen Briten sehr wichtig sind. Es gibt in Großbritannien keine private oder öffentliche Gewährleistung im Fall von Zahlungsproblemen solcher Fonds, welche die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ziemlich flexibel in Aktien und Immobilien oder, wie es der Fonds der Eisenbahn getan hat, auch mal rein spekulativ in alten Meistern und chinesischen Vasen anlegen.

Sozialminister Peter Lilley entrüstete sich, als er den Rentnern die spärliche Nothilfe versprach: "Kaum ein Betrug ist so feige und verabscheuungswürdig wie die Plünderung der Pensionsfonds durch Robert Maxwell." Etwa 700 Millionen Pfund sollten in den verschiedenen Fonds sein. Rund 400 Millionen Pfund fehlen. Davon soll die Hälfte bei Banken liegen, welche beteuern, sie hätten die Pfänder im guten Glauben erworben, also nicht wissend, daß sie gestohlenes Gut waren.