Schon drei Kilometer vor dem Ziel roch es verführerisch nach Öl, Benzin und Staub. Und nach dreckigem Wasser, in dem – wie es schien – alle Abwässer der Stadt zusammengeflossen waren. Kurz vor den Elbbrücken stieg Hamburg so in die Nase, wie es eben riecht am Blankeneser Ufer, an den Landungsbrücken oder an diesem Nadelöhr, das auf dem Weg mitten ins Herz der Heimatstadt zu passieren ist.

Vorbei damit, zumindest wenn die Heimreise aus entfernteren Gegenden mit der Eisenbahn erfolgt; Moderne Züge haben Air-condition und Fensterfronten, die nicht zu öffnen sind. Es stinkt also nicht mehr, schade. Überhaupt: Auch München hat sein eigenes Odeur, oder Göttingen, sogar Köln.

Nur noch in Vorortzügen kann dieses sinnliche Erlebnis goutiert werden. In Fernzügen hingegen ist jeder Versuch, sich den Stationen und Städten geruchsempfänglich, ja: naserümpfend anzunähern, zum Scheitern verurteilt.

Stuttgart schmeckt wie Essen oder Bremen oder Hamburg, nämlich gar nicht. Haltestellen sind nur noch die fahrplanmäßigen Pausen zwischen der Landschaft, die wie auf einem eintönigen Videoclip an den Reisenden vorbeirauscht.

Leipzig oder Dresden und deren Braunkohle- und Lysolspuren: Vom luftdicht verschweißten Zug mit den unverschwitzten Passagieren aus sind beide Städte vom Ruch der früheren DDR so weit entfernt wie die armen Leut’ dort vom weltläufigen Gehabe der Treuhand-Manager: Die schlechte Wirklichkeit jedenfalls bleibt draußen.

Dabei ist der Trend, alles schneller, weiter, fixer zu erobern, mithin den Müßiggang in den High-Budget-Passagen für einen schlechten Scherz des Himmels zu halten, keiner, der nur die rasenden Eisenbahnen betrifft. In Hamburg beispielsweise wurde die „Kaufhalle“, letztes Kaufhaus weniger begüterter Schichten am Rathausmarkt, zugunsten eines „Schlemmermarktes“ ausgesiedelt. Die armen Krauter waren ja für die Potentaten, die aus dem Rathaus schritten, auch wirklich kein Anblick.

Hamburg ist damit steriler geworden – wie seine Fußgängerzonen, die aussehen wie die in Meppen, München oder Mainz. Üble Schwaden? Jedenfalls nicht in den Metropolen, nur noch in Reservaten wie an der Reeperbahn. Oder an den Peripherien, wo die Züge, als schämten sie sich solcher Streckenführung, durchrasen wie durch Minenfelder des schlechten Geschmacks.