Die gedrückte Stimmung an der deutschen Börse hält an. Anfang der Woche bröckelten die Kurse weiter, meist bei kleinsten Umsätzen. Nach drei Korrekturwochen ist damit die Hälfte des vorangegangenen Kursanstiegs wieder weggeschmolzen. Einige Börsianer erklären die jüngsten Verluste mit dem letzten Handelstag für die Dax-Optionen am kommenden Freitag. Vor solchen Tagen seien Kursverluste üblich.

Allerdings ist die Börse einem weiteren Kursverfall nahe, wenn man den Charttechnikern glaubt – den Leuten also, die von Kursverläufen der Vergangenheit auf die Zukunft schließen. Sie sehen zwar bei 1772 Dax-Punkten einen starken Widerstand. Sollte der aber nach unten durchbrochen werden, sei ein Fall des Dax auf 1750 gut möglich.

Falls sich das Geschäft in diesen Tagen trotz des beginnenden Sommerlochs belebt, könnten Termingeschäfte dahinterstecken. Berufshändler spekulieren darauf, daß einige in Erwartung besserer Kurse schon verkauft haben, was sie noch gar nicht besaßen, und nun nachkaufen müssen. Vor allem in London werden solche „Short-Positionen“ vermutet. Ende vergangener Woche sah die Börse diese Vermutung bestätigt, als nahezu allein auf weiter Flur Deutsche-Bank-Aktien anzogen.

Ansonsten herrschte viel Bewegung im Handel mit Nebenwerten: Hoesch-Aktien liefen gut, weil die Besitzer auf eine großzügige Abfindung durch Krupp hoffen, obwohl deutsche Unternehmer an der Börse in dem Ruf stehen, bei Umtauschangeboten knauserig zu sein. Die Aktie des Autozulieferers Ymos werde auf null gehen, heißt es. Wilde Kurssprünge, oft nur Taxkurse, deuten auf einen risikoreichen Handel hin. Der Maschinenbauer Maho, erst knapp sechs Jahre an der Börse, erhielt vorige Woche drei Minusankündigungen, also die Warnung vor Kursverlusten von mindestens fünfzehn Prozent. Von einer Zusammenlegung des Kapitals wird gesprochen. Porsche-Anteilscheine schossen indes nach oben. Die Sparpläne des noch selbständigen Sportwagenherstellers reichen zur Erklärung nicht mehr. Übernahmegerüchte leben auf. Kaufen die Eigentümerfamilien, damit der Preis für den künftigen Besitzer in die Höhe getrieben wird? Drohen neue Insidergeschäfte? Wilde Gerüchte, die in umsatzlosen Zeiten entstehen. mib