Die alte rote Fahne

Sie ist nicht aus einem Guß, diese GUS-Auswahl. Männer von sechs Nationen vereint die Fußballelf bei der Europameisterschaft in Schweden. Während andere Nationalmannschaften vor dem Anpfiff brav ihre Hymnen singen, blicken die GUS-Kicker bei Beethovens „Ode an die Freude“ schweigend zu den Tribünen empor. Doch da – ach! – sehen sie ihre Fans mitunter die alte rote Fahne mit Hammer und Sichel schwingen. Die von den Politikern ad acta gelegte Sowjetunion will nicht ganz sterben. Auch die Sprache tut sich schwer mit dem Ersatz für „sowjetisch“: „Gusianisch“ klingt nicht nur in russischen Ohren ziemlich barbarisch. (Es hört sich ungefähr so an wie „DDRisch“ im Deutschen.) Solche Sprachverrenkungen spornen die Ballzauberer aus der früheren UdSSR nicht an. Da lassen sie sich schon lieber vom guten alten Torschrei – „Schaibu! Schaibu!“ beflügeln.

Kommerz auf dem Campus

Stilkritik löst das Sponsoring hierzulande kaum noch aus. Es werben unsere Nationalkicker, unsere Staatsschauspieler, und die Musikanten von Justus Frantz werben auch. Die deutsche Wissenschaft jedoch hat sich als Werbeträger bisher versagt – doch das könnte bald anders werden, wie ein Blick über den Atlantik lehrt. Gerade hat die Pennsylvania State University einen Vertrag über vierzehn Millionen Dollar mit Pepsi-Cola abgeschlossen. Fortan werden die 70 000 Studenten der Penn State in keinem Automaten, in keiner Cafeteria mehr Coca-Cola finden, und auf der Anzeigetafel im Stadium wird exklusiv die Verheißung aufleuchten: „You’ve Got the Right One, Baby!“ Dafür finanziert Pepsi Stipendien und Bauvorhaben. Der Philosophieprofessor Joseph Flay findet die Kommerzialisierung des Campus „abscheulich“. Auch uns schaudert bei der Vorstellung, Flays deutsche Kollegen könnten ihre Vorlesungen künftig unter heftigem Klopfen der dankbaren Stipendiaten mit dem Ausruf beschließen: „Alles Müller – oder was?“

Aus deutschen Landen

Lange haben die Bürger warten müssen, lange haben die Beamten werten müssen. Jetzt liegt sie endlich vor, die Stellungnahme des Sachverständigenausschusses im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für die Auswertung des Schweinezählergebnisses vom 3. April des laufenden Jahres. Das Resultat: Deutschland produziert und exportiert weniger Ferkel, Jungsauen et cetera. Der Grund: Die hohen LPG-Bestände sind abgebaut, die Schweine im Osten quasi abgewickelt. Und wieviel Schweine leben noch im neuen Deutschland? Ziemlich genau 26,4 Millionen. Aber bei „anhaltend steigenden Sauendeckungen“ werden es bald wieder mehr sein, heißt es in der Stellungnahme des Sachverständigenausschusses für die Auswertung der Ergebnisse der...