ZEIT: Herr Minister, wann wird die Bundesregierung das Tempolimit auf Autobahnen einführen?

Töpfer: Sicherlich brauchen wir verstärkt Geschwindigkeitsbegrenzungen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, den Verkehrsfluß zu verbessern und um die Umweltbelastungen zu verringern. Ich gebe aber keine Prognose darüber ab, wie lange sich bei der Frage eines generellen Tempolimits die deutsche Position innerhalb der Europäischen Gemeinschaft noch halten läßt.

ZEIT: Zukünftig werden Sie wohl nicht nur die Europäer verärgern. Beim Erdgipfel in Rio de Janeiro haben Sie mit dem Versprechen viel Lob geerntet, den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids bis zum Jahr 2005 um mindestens ein Viertel zu verringern. Wie wollen Sie Ihr Wort halten, wenn es schon beim Tempolimit so viele Probleme gibt?

Töpfer: Beim CO2 bringt das Tempolimit nicht viel. Wir sind in Rio ernst genommen worden, weil wir nicht nur ein Ziel, sondern auch einen klaren Maßnahmenkatalog mitgebracht haben. Es wäre also fatal, würde an der Ernsthaftigkeit unseres Programms gezweifelt, nur weil es kein Tempolimit enthält.

ZEIT: Gleichwohl sind immer mehr Experten skeptisch, daß Sie Ihre Zusage einhalten können.

Töpfer: Es gibt genauso viele Experten, die keine Zweifel hegen. Allein der energiepolitische Umbau in den neuen Bundesländern wird die C02-Emissionen massiv verringern. Außerdem werden bessere Kraftwerke große Entlastungen bringen. Hier es geht doch nur noch darum, ob diese neuen Kraftwerke bis zum Jahr 2005 wirklich am Netz sind.

Die offene Frage ist tatsächlich die Verkehrspolitik – nicht etwa, weil beim Autoverkehr große Chancen für eine CO2-Minderung sind, sondern weil ich dort auf jeden Fall eine Stabilisierung erreichen muß. Wenn das nicht klappt, wird es wirklich schwierig, das Gesamtziel zu erreichen. Deshalb kämpfe ich für eine sogenannte „Flotten-Verbrauchsregelung“, das heißt: Ich will den durchschnittlichen Benzinverbrauch aller Fahrzeugtypen eines Herstellers begrenzen.