An den Morden, die ein Gaskammer-Maschinist im Vernichtungslager Treblinka begangen hat, besteht kein Zweifel. Amerika hat den vermeintlichen Täter an Israel ausgeliefert; ein israelisches Gericht hat ihn vor Jahren zum Tode verurteilt.

Inzwischen aber sind schwere Zweifel aufgekommen, ob nicht „Iwan der Schreckliche“ in Treblinka ein anderer war, der dem Verurteilten sehr ähnlich sah. Nach ihm wird in der ehemaligen Sowjetunion gesucht.

Die Regeln jedes Rechtsstaates sehen beim dringenden Verdacht auf Justizirrtum ein Wiederaufnahmeverfahren mit dem Ziel des Freispruches vor. Iwan Demjanjuk aber kämpft noch vor dem Berufungsgericht in Jerusalem gegen sein Todesurteil. Der Ankläger sagt: Wenn es in Treblinka ein anderer gewesen ist, dann war es Demjanjuk eben in Sobibor; soll er dafür hängen.

Israel ist ein Rechtsstaat. Er wird einen Menschen nicht wegen eines Verbrechens töten, für das dieser Mensch bislang weder angeklagt noch verurteilt wurde. Aber Israel muß sich um seine Staatsanwälte kümmern. Sie sind im Begriff, ihm den Ruf der Rechtsstaatlichkeit zu ruinieren.

H.Sch.