Das Phänomen hat eine Formel, und die geht so:

(t+T) = cx hoch m (t+T) [ X hoch n(t) - X hoch n+1 9t0 ] / [ X hoch n (t) - X hoch n+1 (t)] hoch 1

Die Gleichung steht für den Stau, der aus dem Nichts kommt. Er kommt, wenn zu viele Autos so lange zu wenig Abstand halten, bis kein Abstand mehr da ist.

Es gibt auch durchsichtigere Gründe: Unfall, Baustelle, schlechtes Wetter. Zur Ferienzeit, also jetzt, kommt noch einer dazu: Zu viele wollen zur selben Zeit in dieselbe Richtung.

32 927 Staus wurden im vergangenen Jahr in der Bundesrepublik gemeldet, zusammengenommen eine Blechkarawane von mindestens 130 000 Kilometern, ein Troß, dreimal um die Erde. Pro Tag 360 Kilometer zweckentfremdete Fahrbahn. Tendenz steigend.

65 Stunden im Jahr steht jeder Autofahrer im Stau. Aber was weiß er schon darüber, außer, daß er immer wieder reinfährt?

Einer, der alles weiß über den Stau, ist Rainer Wiedemann, Professor am Institut für Verkehrswesen an der Universität Karlsruhe. Mit einem Bleistift schreibt er die Grundgleichung des Verkehrs auf ein Blatt Papier: Verkehrsstärke ist gleich mittlere Geschwindigkeit mal Verkehrsdichte. Er sagt: „Die Gleichung sieht einfach aus, aber sie hat es in sich.“ Schon bahnt sich auf seinem Laptop das Chaos an: Orangefarbene Striche kriechen von links nach rechts über den Bildschirm, bündeln sich schlagartig zu einem dicken Strang, der sich erst langsam wieder auflöst. Der Professor wendet seinen Blick vom Gerät ab: „Der gestaute Verkehr ist der Verkehr der Zukunft.“