Alle Einwände, alle Hoffnungen: vergebens. Der Rat der Stadt Karlsruhe hat entschieden, daß der 1989 preisgekrönte Entwurf des berühmten niederländischen Architekten Rem Koolhaas nicht gebaut wird. Das noch in der Glanzzeit Lothar Späths gegründete Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM), das es beherbergen sollte, wird statt dessen in einer (zu Recht als Baudenkmal geschützten) ehemaligen Munitionsfabrik untergebracht werden.

Die Folgen des Ratsbeschlusses sind verheerend. Zunächst für das geschützte Baudenkmal, für das die Stadt eine passende Nutzung zu finden unfähig war. Es ist, der einst darin verrichteten Präzisionsarbeit wegen, filigran und lichtdurchflutet. Das ZKM indessen ist, der zu erkundenden "neuen Medien" wegen, auf viele dunkle Räume angewiesen. Deshalb müssen die Lichthöfe, ein Charakteristikum des Gebäudes, zugebaut werden. Eine Denkmalschutz-Farce.

Für den Städtebau sind die Folgen enttäuschend. Denn der von Koolhaas entworfene gläserne Hochhaus-Würfel – die transparente Fassade ein "Screen", Spiegel des ungewöhnlich organisierten Innenraumes – war ausdrücklich nicht mitten in der Stadt, sondern an ihrer Peripherie, am Bahnhof, vorgesehen. Es hatte eine Art "geistigen Stadteingangs" werden sollen.

Die Folgen für die Praxis des Architekturwettbewerbs schließlich: deprimierend. Es trifft ja nicht nur den geprellten Gewinner, sondern alle Wettbewerbsteilnehmer, die ihr (unbezahlt bleibendes) Risiko wenigstens damit belohnt wissen wollen, daß der Beste auch tatsächlich bauen darf, das heißt: den Respekt des Bauherrn genießt. Nun wissen sie, daß all die Hunderte von Stunden ihrer Neben-, Nacht- und Wochenendschufterei, all ihr Engagement, ihre Intelligenz und Hoffnung von Anfang an für die Katz waren: Opfer einer kaltschnäuzigen Stadtpolitik, der plötzlich ein altes Gemäuer eingefallen war – spät, zu spät.

Natürlich behaupten die Politiker, ihrer Stadt einen Sparsamkeitsdienst erwiesen zu haben: dreißig Millionen Mark billiger! In Wirklichkeit haben sie ihre Stadt betrogen – um ein Bauwerk, das für Karlsruhe hätte werden können, was das Bauhaus für Dessau war, so befremdlich, so neuartig wie die Ideen, die darin bewegt und probiert wurden. Keinen Menschen interessiert es, ob das Bauhaus "zu teuer" war – aber die ganze Welt kennt es und identifiziert es mit dem Aufbruch in eine neue Zeit. Manfred Sack