Von Petra Kipphoff

Was ist eine Meile? Tausend Doppelschritte, sagt das kleine Latinum. Was ist eine Museumsmeile? Wenn in Bonn an der sogenannten Rennmeile – einem, was die offiziellen Straßennamen betrifft, nahtlosen Übergang von Friedrich Ebert zu Konrad Adenauer – auf einmal vier Museen stehen.

Das Museum Koenig, Zoologie, ist das älteste und zweifellos reizvollste. "Von der Mücke bis zum Elefanten findet sich hier unter einem Dach nahezu alles", schwärmt das Meilen-Faltblatt der, wie es dort heißt, "Bundesstadt" Bonn, "ein kleines Vivarium mit Reptilien ergänzt den Streifzug durch die Biologie."

Dann kommt – immer vom Zentrum der Bundesstadt Bonn aus gesehen – das Haus der Geschichte, das heißt, es wird kommen, Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres soll es eröffnet werden. Statt Berlin. Ach nein, wegen Berlin! Man darf nur nicht die Mücke mit dem Elefanten verwechseln, den man aus ihr machen will.

Schließlich der Doppelklotz, Kunstmuseum, Bundeskunsthalle. Am 17. Juni morgens saß Richard von Weizsäcker fromm und ernst mit seiner Gattin bei der Eröffnung des Museums, ließ sich dann beim Rundgang von Katharina Schmidt, der Direktorin, genau die Kunst erklären, jenseits von ZEIT und Bonn. Am 17. Juni nachmittags schritt Kanzler Kohl rüstig zum Rednerpult bei der Eröffnung der Bundeskunsthalle und sagte, "die Bundesrepublik Deutschland versteht sich als ein Kulturstaat". Mit Vivarium.

Aber vielleicht muß man in Bonn immer erst einmal klotzen. Um so größer die Freude, wenn irgendein Klotz sich wieder als Kubus zu erkennen gibt, ein nützliches Eigenleben entfaltet. Der kubische Bau des Bonner Kunstmuseums jedenfalls öffnet sich ohne Pomp und Probleme dem Besucher. In den durch eine Diagonale zweigeteilten Bau, dessen Fronten sich in einem Wechselspiel von Mauer- und Fensterflächen öffnen, fühlt er sich zwanglos hineingebeten, über das kleine, runde Treppenhaus schließlich hinaufgelockt und dann durch erste Blicke auf die Kunst und ihre Raumfolge von der "Quadratur der Rechtecke" schönstens vereinnahmt.

Die Geschichte der Städtischen Kunstsammlungen Bonn beginnt am 3. August 1949 mit dem Ankauf von zwei Bildern des Malers August Macke, der in Bonn wichtige Jahre seines kurzen Lebens verbracht hat. Die Geschichte des armen Verwandten Kunst, der in einer Abseite neben dem Bonner Rathaus 43 Jahre lang zur Untermiete wohnte, endete am 17. Juni mit der Eröffnung des Kunstmuseums Bonn. Für dieses Institut, das, beginnend mit August Macke und den rheinischen Expressionisten, deutsche Kunst seit 1945 sammelt, hat Katharina Schmidt, die jetzt leider an das Kunstmuseum in Basel gehen wird, in den sieben Jahren ihrer Bonner Tätigkeit eine dreifache Simultan-Aufgabe bewältigt. Sie hat sich, nicht immer zur Bequemlichkeit der Architekten, intensiv um den Neubau gekümmert, dabei gleichzeitig in den alten Räumen exquisite kleine Ausstellungen inszeniert und für das neue Haus ganz gezielt Anschaffungen gemacht und Dauerleihgaben akquiriert. Wenn das Bonner Kunstmuseum jetzt wie selbstverständlich dasteht in seiner Einheit von Kunst und Architektur, so ist das weder selbstverständlich noch zufällig, sondern das Ergebnis einer großen, intelligenten Anstrengung.