Sehr verehrte Frau Dr. Klesse, bitte verzeihen Sie die etwas aufdringliche Art, mit der ich den an sich schlichten Vorgang begleite, einen Designgegenstand an den Museumsladen in Ihrem Hause zurückzugeben. Ich hoffe jedoch, daß einige grundsätzliche Gedanken, die ich daran knüpfe, mein Vorgehen auch in Ihren Augen rechtfertigen.

Am 2. Januar besuchte ich Ihr Museum und erfreute mich der vielen schönen Exponate aus Ihrer Sammlung. Unter anderem hatte es mir die bei aller Formstrenge elegante Verspieltheit der Caffettiera angetan, die 1982 von Aldo Rossi entworfen wurde und seit 1984 von Alessi vertrieben wird.

Welche Freude, daß sie gleich im Museumsladen zu erwerben war! Es war mein 40. Geburtstag, ein Tag, der in keiner Biographie folgenlos bleiben sollte, und so entschloß ich mich als italophiler Kaffeetrinker, den Tag durch Kauf dieser wunderschönen Caffettiera zu markieren.

Vorsichtig, wie ich angesichts einer solchen, für meine Verhältnisse recht extravaganten Ausgabe selbst an diesem Tage war, sprach ich den Geschäftsführer auf die mögliche Erhitzung der beiden Griffe an, den Winkel zum Anheben und Eingießen sowie die Kugel zum Öffnen, die immerhin beide in direkter Metallverbindung zum kochenden Kaffeewasser stehen. Als mir der Ladenmanager bedenkenlos ein Rückgaberecht einräumte, falls die Griffe nicht anzufassen seien, war der Erwerb perfekt.

Zur Probe und Reinigung machte ich zu Hause zunächst einen Durchlauf mit reinem Wasser. Ich war sehr gespannt auf den Erwärmungsgrad der Griffe! Und siehe da, der Winkel zum anheben wurde nicht mehr als angenehm warm. Auch die Kugel war unmittelbar nach Aufstieg des Wassers noch gut anfaßbar, danach freilich nur mit einer gewissen Angst vor Brandblasen. Darüber aber, dachte ich, könne man hinwegsehen. Man greift ja nicht nach der Kugel, um den Kaffee in die Tassen zu gießen.

Welches Desaster, welche Blamage, welche Enttäuschung dann aber, als die Caffettiera in nachgeburtstäglicher Kaffeerunde ihre Premiere haben sollte! Ja, wörtlich: sollte, sie kam nämlich nicht dazu. Den ersten Kaffee spuckte sie voreilig, breitflächig und gefährlich über den Herd. Und über der Tasse gab sie ihren Kaffee einfach nicht heraus! Um genau zu bleiben, sie gab ihn nicht einfach heraus, sondern so, wie es Ihnen das nachgestellte, aber sehr realistische Photo im Ergebnis zeigt: Vorsichtig gegossen rann der Kaffee am Gefäß entlang direkt auf die Tischdecke. Heftiger gekippt begann er zu sprudeln, eruptiv, spritzend – unkontrollierbar von der ersten bis allenfalls auf die letzte halbe Tasse ...

Ich will Sie, verehrte Frau Dr. Klesse, nicht mit Einzelheiten physikalischer Gesetze langweilen. Alltagspraktisch kennen Sie das Phänomen von Milchdosen, in die man aus Faulheit, Vorsicht oder anderweitigen Gründen nur ein einziges Loch gestoßen hat, wo das im Innern entstehende Vakuum durch wiederholten Druck auf den leicht nachgebenden Dosendeckel überwunden werden kann und die Milch dadurch zu einem portionierten Fließen veranlaßt wird. Damit endet aber auch die Analogie von Milchdose und Caffettiera, denn diese läßt sich – Gott sei Dank! – an keiner Stelle eindrücken, und sie wäre dazu nun wohl auch wirklich zu heiß.