Von Uwe Jean Heuser

Das Ergebnis ist eindeutig: Wer in der Bundesrepublik ein mittleres Einkommen bezieht, kommt kaum in den Genuß von Wohnungsbausubventionen. Bund, Länder und Gemeinden unterstützen vor allem die ärmsten und die reichsten Haushalte: Die untersten und die obersten zwanzig Prozent auf der Einkommensskala profitierten 1989 jeweils zu gut einem Viertel von der Förderung, die anderen erhielten den Rest und damit pro Haushalt wesentlich weniger.

In jahrelanger Detailarbeit hat Rudi Ulbrich vom Darmstädter Institut Umwelt und Wohnen die Verteilungswirkungen der westdeutschen Wohnungspolitik untersucht. Der Forscher entkräftet überzogene Schätzungen über den Profit der Reichen an der Wohnungspolitik, macht aber auch Schluß mit der Behauptung, daß Wohnsubventionen vor allem die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen begünstigen.

Ähnlich wie zum Ende des vergangenen Jahrzehnts, so Ulbrich, verteilten sich die Fördergelder schon Anfang der achtziger Jahre. Seit damals ist immerhin der Anteil der ärmsten Haushalte an der Förderung gestiegen. Der Grund: Sie erhalten den weitaus größten Teil des Wohngelds, das die Bundesregierung in der Zwischenzeit kräftig aufstockte.

Vor allem ärmeren Haushalten soll auch der soziale Wohnungsbau helfen. Doch die Begünstigten dieses Förderungsinstruments verteilen sich überraschend gleichmäßig auf die verschiedenen Einkommenszonen – nur die reichsten Haushalte fallen deutlich ab. Diese Lücke zwischen politischem Anspruch und Wirklichkeit verursachen vor allem die Fehlbeleger, die trotz zu hoher Einkommen in den Sozialwohnungen bleiben. Vierzig Prozent aller Sozialmieter, schätzt Ulbrich, waren Ende der achtziger Jahre auf diese Weise fehlsubventioniert.

Auch die sogenannte Fehlbelegungsabgabe ändert daran wenig. Zwar müssen die Fehlbeleger mit den höchsten Einkommen in einigen Bundesländern mehr als doppelt soviel Miete zahlen wie ärmere Sozialmieter. Aber der Unterschied zu den vor allem in Ballungszentren explodierten Mieten auf dem freien Markt bleibt beträchtlich, so daß heute noch weniger Fehlbeleger als früher aus den dringend benötigten Sozialwohnungen ausziehen. Die Quote dürfte deshalb in den jüngsten Jahren noch weiter gestiegen sein.

Wenn einmal eine Sozialwohnung zu haben ist, ziehen zudem nicht unbedingt diejenigen mit den niedrigsten Einkommen ein. Da viele Wohnungssuchende einen Berechtigungsschein vorzeigen können, aber immer weniger Sozialwohnungen frei werden, wird die Vergabe vielerorts zum Roulettespiel.