LEIBINGER: Die Wiege des deutschen Maschinenbaus steht in Sachsen und Thüringen. Die Leute sind gut ausgebildet und motiviert. Dennoch wird ein weiterer Abbau von derzeit etwa 250 000 Arbeitsplätzen auf gut die Hälfte nicht zu vermeiden sein. In fünf Jahren werden die Unternehmen aber auch dort wieder aufstocken.

Die privatisierten Betriebe im Osten klagen, daß die vereinbarte Lohnangleichung an das Westniveau bis 1994 ihre Konkurrenzfähigkeit gefährde. Sind die geforderten Öffnungsklauseln in den Tarifverträgen, die eine Verschiebung von Lohnerhöhungen ermöglichen sollen, nicht reichlich blauäugig?

LEIBINGER: Ich habe wenig Hoffnung auf eine spektakuläre Lösung. Aber ich setze darauf, daß die Tarifpartner einen Modus finden, der einzelbetriebliche Lösungen möglich macht.

Glauben Sie wirklich, daß sich die IG Metall auf derartige Haustarife einläßt?

LEIBINGER: Eine Generalabsolution wird es sicher nicht geben. Aber die IG Metall ist inzwischen auch sehr nachdenklich geworden über die Situation im Osten.

In den ostdeutschen Betrieben, die ja zu über zwei Dritteln immer noch im Treuhandbesitz sind, kommt die Klage hoch, die westdeutschen Maschinenbauer würden in der Ex-DDR am liebsten alle Betriebe plattmachen.

LEIBINGER: Die deutschen Maschinenbauer – West und Ost – müssen mit der Weltkonkurrenz leben. Und da es der Branche derzeit nicht besonders gutgeht, ist für einen westdeutschen Maschinenbauer nicht jeder ostdeutsche ein willkommener Konkurrent. Aber das ist nicht das Kernproblem. Der Industriezweig in der Ex-DDR war viel zu sehr auf den zusammengebrochenen Markt der ehemaligen Sowjetunion ausgerichtet. Der ostdeutsche Maschinenbau braucht Weltpräsenz mit weltmarktfähigen Produkten. Auch in Rußland – und das Potential ist dort ja vorhanden – müssen die Ostdeutschen in Zukunft mit Japanern und Amerikanern in harter Währung konkurrieren.