Ozgür ist fünfzehn Jahre alt und Mark sechzehn, die beiden Jungen sind Klassenkameraden und gute Freunde. Sie streiten über die Ausländerfeindlichkeit.

Özgür: Ich bin Türke, aber ich bin in Deutschland geboren.

Mark: Ich bin aus Deutschland, Gott sei Dank. Ich bin stolz, Deutscher zu sein. Ich möchte kein Türke sein. Nee.

Özgür: Warum nicht? Es gibt auch in der Türkei so viel Kultur, so viel Vergangenheit. Warum willst du nicht mal in einem Land leben, das nicht so kalt ist wie Deutschland? Du sagst, Deutschland ist wunderschön. Du kennst kein anderes Land, aber trotzdem, es ist schön. Türkei kennst du nicht, aber trotzdem ist es Scheiße. Oder Ghana. Ist dir wahrscheinlich zu arm, was? Wir sind nicht gekommen, weil Deutschland so schön ist. Wir sind gekommen wegen meiner Mutter, weil sie unterdrückt wird als Frau in der Türkei. Wegen ihrer Gleichberechtigung. Die Türkei ist sehr faschistisch zur Zeit. Mein Vater war ein hochangesehener Arzt in der Türkei und ist hier in Deutschland zum Krankenpfleger geworden. Nun hat er in der Türkei alles verloren, und so wurde unsere Situation auch zur finanziellen Not.

Mark: Dann führt doch bei euch die Gleichberechtigung ein. Das kann man nicht ändern, indem man flieht. Bei uns kann man seine Meinung frei vertreten. Bei uns war es ja auch mal anders. Das haben wir geändert.

Özgür: Ihr habt den Krieg verloren, und die Amerikaner und Engländer haben euch von draußen die Demokratie gebracht. Sonst wären hier immer noch die Nazis.

Mark: Klar, ich möchte auch nicht Türke in Deutschland sein. Teilweise habt ihr es verdient. Andauernd kriege ich von euch ein paar auf die Augen, oder fast. Wenn ich abends spät unterwegs bin und gehe so durch ’ne Gegend mit Freunden, werde ich öfter von Türken angelabert. Das ist schon ’ne Bedrohung. Es kommen zu viele. Wir haben genug Arbeitslosigkeit.