Von Gunter Hofmann

Bonn

Nostalgisch könnte man schon ein bißchen werden, wenn man an Hans-Jürgen Wischnewski denkt. Er war an Helmut Schmidts Seite im Kanzleramt das Paradebeispiel des troubleshooter, obendrein ein Mann mit jeder Menge Erfahrung und viel gesundem Menschenverstand.

Unwillkürlich erinnert man sich wieder daran, wenn man Bernd Schmidbauer gegenübersitzt, dem Mann, der für Helmut Kohl das dreijährige Geiseldrama von Beirut zu Ende brachte. Heinrich Strübig und Thomas Kemptner sind seit einigen Tagen wieder frei. Seitdem schwelgen Boulevardzeitungen in dem Bild, er sei der neue "008" des Bundeskanzlers, während andere ihn als großmäuligen Amateur verreißen.

"008" hieß Hans-Jürgen Wischnewski zwar nie. Er war einfach Ben Wisch. Es wurde zur Legende, wie er mit einem Schulterschlag am Tresen da den Sandinistenführer oder dort den Chef-Guerillero zum Einlenken bewog. Das gab’s nur einmal, das kommt nicht wieder.

Mit Schmidbauer sind eher die modernen Zeiten ins Kanzleramt eingezogen. Er hat nicht Sozialdemokratie, Gewerkschafterei oder Artverwandtes studiert, sondern ganz ordentlich Physik, Chemie und Biologie an der Technischen Hochschule in Karlsruhe. Später leitete er ein Gymnasium in Heidelberg. Für die CDU engagierte er sich seit 1971 nebenher in der Kommunalpolitik. Jetzt ist Politik sein Hauptberuf.

Bernd Schmidbauer, Jahrgang 1939, in Pforzheim geboren, hatte also Erfolg beim Verhandeln zwischen Teheran, Damaskus und Beirut. Das bescheinigen ihm generös auch alte Hasen wie der Kollege Marcel Pott, lange Jahre Korrespondent im Nahen Osten, der sich ebenso wie die Profis im Auswärtigen Amt sorgte, Schmidbauer sei schlicht zu unerfahren in Händeln wie diesem mit der proiranischen Hisbollah und der Familie Hamadi.