Entfleischter Neandertaler

Sein Skelett ist rund 60 000 Jahre alt und gibt ein Rätsel auf: die Überreste des Homo sapiens neandertalensis aus der Feldhofer Grotte bei Düsseldorf. Sie müssen in entfleischtem Zustand begraben worden sein. Darauf deuten Schnittspuren an den Knochenresten hin, die nicht von Tierbissen stammen können. Ihre Form ist ein Indiz dafür, daß die Schnitte mit System ausgeführt wurden. Die rätselhaften Ritzungen werden jetzt am rechtsmedizinischen Institut der Universität Düsseldorf untersucht. (Düsseldorfer Uni-Zeitung, Nr. 3/1992)

Noch ein Sekündchen

Die Minute, die am 1. Juli 1992 um 1 Uhr 59 mitteleuropäischer Sommerzeit beginnt, wird um eine Sekunde verlängert. Das teilt die in Braunschweig ansässige Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) mit. Die PTB wacht mit zwei Cäsium-Atomuhren über die gesetzliche Zeit Deutschlands. Für das tägliche Leben bestimmt die von der Erdrotation abhängige mittlere Sonnenzeit, was die Stunde geschlagen hat. Weil sich die Erde mit ihrer etwas unregelmäßigen Rotation aber nicht an die gesetzliche Zeit hält, gibt es die Extra-Sekunde.

Klinische Forschung

Für die klinische Forschung in Diagnostik und Therapie wird ein langersehnter Wunsch Wirklichkeit: Die Universitätskliniken in Heidelberg und das Deutsche Krebsforschungszentrum haben sich am 22. Juni endlich über die Errichtung von klinischen Kooperationseinheiten verständigt. Sie sollen zunächst für einen Zeitraum von fünf Jahren die Anwendung von Ergebnissen molekularbiologischer Grundlagenforschung auf die klinische Behandlung überprüfen. Damit läßt sich vielleicht der Vorsprung amerikanischer, englischer und französischer Forscher auf diesem Gebiet verringern.

Vatergene, Muttergene

Wenn Spermium und Eizelle verschmelzen, ist dies normalerweise der Beginn einer Partnerschaft zwischen väterlichen und mütterlichen Genen im Dienst des werdenden Lebens. Bereits seit längerem sind allerdings Arten bekannt, die in ihrer Entwicklung ohne männliche Genspende auskommen. Mittelmeer-Stabschrecken, eine Insektenart, enthüllten Forschern der Universität Bologna nun erstmals, daß es ebenso ohne mütterlichen Genanteil geht. Nach der Befruchtung eines Weibchens der Art Bacillus rossius-grandii benazzi durch ein Männchen der Art Bacillus rossius wird entweder das männliche oder das weibliche Erbmaterial in der Keimzelle komplett eliminiert. In einem Fünftel der Nachkommen haben allein die väterlichen Gene das Sagen – offenbar ohne Schaden für den Nachwuchs (Nature Bd. 357, S. 444).