In Luxemburg gibt es zweierlei Menschen: die echten Luxemburger (immer weniger) und die Ausländer (immer mehr). Die einen müssen mit den anderen leben, da läßt sich wegen der EG nichts mehr daran ändern.

Und es gibt auch zweierlei Touristen. Die einen sind die Holländer, die mit ihren Campmobilen in den Norden einfallen, die Landschaft bewandern und jede Büchse Cola selbst mitbringen. Die anderen sind die Deutschen, die in großer Zahl und oft in Gruppen kommen, vor allem Samstag nachmittags. Sie rollen mit Luxusbussen in die Stadt, kaufen billig Parfums und Zigaretten, essen höchstens einen Hamburger und fahren abends wieder heim. Beide Sorten von Touristen sind für die Fremdenverkehrswirtschaft nicht gerade lukrativ – und das wollen die Luxemburger jetzt ändern.

Andere Touristen müssen her, echte Fünf-Sterne-Urlauber, die auch am Wochenende die Luxushotels am Boulevard Royal belegen. Solche Touristen aber wollen mehr als Natur und billigen Tabak, solche Touristen wollen Kultur.

Mit der Kultur aber ist das so eine Sache im Großherzogtum. Einheimische Kulturfans müssen am Wochenende nach Brüssel in die Oper fahren. Moderne Kunst hängt publikumsfern in den Vorstandsetagen der Banken. Und ein neues Museum, das der weltberühmte Architekt Ieoh Ming Pei (Pyramide für den Louvre) bauen soll, wollten die meisten Bürger erst gar nicht haben – und nun höchstens kleiner und billiger. Das Gros der Luxemburger finanziert lieber noch mehr Mehrzweckhallen für Fußballvereine und gemütliche Dorffeste.

Was also tun – ohne Museum und Oper –, um schnell an Kultur und die entsprechenden Touristen zu kommen? In der Not hatte das Fremdenverkehrsamt die Idee, mit einem berühmten Menschen zu werben. Nun gibt es aber nicht so viele berühmte Luxemburger, außer vielleicht Desirée Nosbusch, aber die steht nun auch nicht gerade für Hochkultur. Doch es gibt gottlob ein paar berühmte Ausländer, die schon mal in Luxemburg waren.

Goethe zum Beispiel, Gott sei Dank. Der deutsche Dichter war sogar zweimal da, wenn auch nur auf der Durchreise. Luxemburg ist klein, die Durchreise dauerte nur wenige Tage. Doch immerhin schrieb Goethe vor 200 Jahren lobend über das Land, wenn auch nur ein paar Zeilen und nicht ein ganzes Buch wie über Italien – aber das ist ja auch größer.

Victor Hugo wäre als Vorzeige-Ausländer eigentlich viel geeigneter, denn der lebte immerhin drei Jahre in Luxemburg. Doch wie viele Deutsche kennen schon Hugo – und die Franzosen, die ihn fast alle kennen, fahren statt nach Wiltz lieber nach Nice.