Wer ein Wochenende in Köln verbringen will, sollte mit der Bahn anreisen, vor allem jedoch, wenn er freitags ankommt. Keine ermüdenden Staus auf Ruhrgebiets- und Rhein-Main-Autobahnen, kein Kampf um einen Parkplatz im Zentrum, nicht die zermürbende Angst, den Theater- oder Konzertbeginn zu verpassen. „... Über den Bahnhof hinaus fuhr unser Zug in den Kölner Dom/die Lokomotive hielt vor dem Allerheiligsten und kniete sanft.. .“, heißt es in einem Gedicht von Yvan Goll.

Zwar dringt die Lokomotive in Wirklichkeit nicht bis zum Hochaltar vor, aber immerhin fast. Zumindest bringt sie uns ins Herz von Köln, dorthin, wo’s schon zu Zeiten der römischen Kaiserin Julia Agrippina schlug. Sie machte aus der Übersiedlung auf der Westseite des Rheins eine römische Stadt: die Colonia Claudia Ära Agrippinensium (CCAA).

Köln ist eine der Stadt der Frauen. Eine heidnische Kaiserin gründete sie, und eine byzantinische Prinzessin namens Theophanu verwandelte sie tausend Jahre danach in eine Metropole des Christentums und der Kunst. Die Herrscherin aus dem östlichen Rom, die den westlichen Kaiser Otto II. geheiratet hatte, schuf mit Hilfe griechischer Künstler und Kunsthandwerker auf der linken Seite des Rheins das „Rom des Nordens“.

Im Mittelalter lebten die Beginen hier; Seidenmacherinnen und Goldspinnerinnen organisierten sich in eigenen Frauenzünften. Katharina Henot, die selbständige Fuhrunternehmerin, wurde für ihr Selbstbewußtsein und ihren Erfolg Anfang des 17. Jahrhunderts auf dem Scheiterhaufen bestraft; das weibliche Universalgenie Anna Maria von Schürmann hingegen fand etwa zur gleichen Zeit in Köln Asyl.

Mathilde Franziska Anneke gab hier 1848 eine feministische Frauen-Zeitung heraus; heute produziert Alice Schwarzer vis-à-vis der Minoritenkirche, nur wenige Schritte vom Grab des jüngst selig gesprochenen Gesellenvaters Adolf Kolping entfernt, mit ihren Gesellinnen und ohne den Segen des Papstes die feministische Emma.

Wer sich das alles zeigen lassen will, kann an einer Führung des Kölner Frauengeschichtsvereins durch die Stadt der Frauen teilnehmen.