Karge Lektüre für literarisch anspruchsvolle Royalisten, denn hier werden die „Dynastien der Welt“ nicht in nobler Prosa, sondern eher in Telephonbuch-Manier vorgestellt. Die Auflistung reicht von Altägyptens legendärem Monarchen Menes (circa 3000 vor Christus) bis zum leibhaftigen König Taufa’ahau Tupou IV., der seit 1965 Staatsoberhaupt des pazifischen Inselreiches Tonga ist. John E. Morby, Historiker an der California State University, hat dieses ziemlich teure Nachschlagewerk zusammengestellt, hat die Faktenfülle chronologisch, geographisch und genealogisch geordnet. So erfahren wir, zu welchem Geschlecht die Herrscher(innen) gehörten und wie lange sie regierten; knappe biographische Anmerkungen und bibliographische Hinweise ergänzen jeweils die Tabellen. Morbys Auskünfte erheben „Anspruch auf höchste Genauigkeit“ und „Vollständigkeit“. Doch dieses Versprechen wird zu oft nicht eingelöst. Der Autor macht zum Beispiel widersprüchliche Angaben zu den Karolinger-Kaisern Karl II. und III., beziffert deren späteren Nachfolger Ludwig IV. (das Kind) so falsch wie den dänischen König Knud VI. Zudem verschweigt er das bekannteste Interregnum (1254 bis 1273), Ludwig den Deutschen und überhaupt etliche illustre Beinamen, etwa Johann (ohne Land) oder Maria I. (die Katholische). Seine Informationen zu chinesischen Regenten zeigen gleichfalls Mängel. Beispielsweise fehlen die ersten Dynastien Chinas: die Shang/Yin und Zhou. Puyi, der letzte Kaiser im Reich der Mitte, ist wie all seine Vorgänger leider nur in veralteter Umschrift und nicht in der längst üblichen Pinyin-Transkription verzeichnet. Und das Register hilft sowieso bloß bei der Suche nach europäischen Herrschernamen: also nicht gerade ein königlicher Leserservice!

Werner Hornung

  • John E. Morby:

Dynastien der Welt

Ein chronologisches und genealogisches Handbuch; Artemis Verlag, München 1991; 367 S., 78,– DM