Mit einer ganz ausgeschlafenen Idee, einem Schlaffo-Meter, gewannen in der vergangenen Woche fünf bayrische Klosterschülerinnen den Bundes-Schülerwettbewerb Jugend und Technik (Jutec) des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). Das Meßgerät zeigt die Müdigkeit einer Person an. Es sei industriell nahezu ausgereift, lobte der Juryvorsitzende Professor Wolf Traebert im Berliner Bildungszentrum der Siemens AG. Und wie in der Industrie erfülle das Erfinderinnenteam auch die Forderung nach Gruppenarbeiten, statt sich in Einzelkämpfertum zu verzetteln.

Das Schlaffo’-Meter funktioniert ganz einfach: Durch einen Sehschlitz sendet ein Impulsgeber Lichtblitze mit einer frei regelbaren Frequenz zwischen zwanzig und neunzig Hertz an das menschliche Auge. Die Grenze, an der das Auge gerade noch ein Flimmern oder nur noch ein konstantes Leuchten wahrnimmt, dient als Maß für die Müdigkeit des Menschen. Denn die Übergänge (Synapsen) von einer Nervenzelle zur anderen brauchen eine gewisse Erholungszeit, ehe sie neue Informationen weiterleiten können. Diese Pause dauert um so länger, je müder ein Mensch ist oder je mehr Alkohol- oder Drogen er genommen hat. Ein Einsatz des Instruments im Straßenverkehr oder an Maschinen liegt nahe.

Zwei Millionen Mark kostete der Wettbewerb, finanziert wurde er vor allem durch Sponsoren aus der Industrie. Viele der Arbeiten konzentrierten sich auf Lösungen für Energie-, Umwelt- und Verkehrsprobleme. Ein Vergleich mit dem Bundeswettbewerb von Jugend forscht drängt sich auf: Dieser ist naturwissenschaftlich ausgerichtet, die 36 in Berlin vorgestellten Arbeiten waren dagegen alltagsnah. Zwei Fahrraddiebstähle gaben den Anstoß zum Bau einer Alarmanlage: Wird das Rad bewegt, ertönt ein schrecklicher Piepton. Nach dem Unfall eines Freundes entstand eine sichere Felgenbremse für einen modischen Fahrradlenker. Und für tretlahme Pedalisten bauten neun Schüler eine pfiffige Batterie. Sie wird tagsüber beim Radfahren per Induktion aufgeladen und hält abends noch so viel Energie für Vorder- und Rückleuchte bereit, daß die Jugendlichen nicht den unbeliebten, weil bremsenden Dynamo einschalten müssen.

Gute Ingenieurleistungen waren auch die praktischen Lösungen für die Raumverdunklung einer Schulaula, die Programmsteuerung von Hausgeräten oder die Wiederverwertung ausgemusterter Computer. Die Jungtechniker bewiesen, wie die Industrie, Ideenreichtum noch auf einem anderen Feld: der überflüssigen Produkte. Eine Alarmanlage, die das eigene Haus in eine heulende Geisterbahn verwandelt, oder die elektromagnetisch angetriebene Hollywoodschaukel für totale Entspannung braucht wohl niemand.

Trotz hoher Motivation konstatiert der Juryvorsitzende Traebert bei den Lehrern und ihren Schülern eine Wettbewerbsmüdigkeit. Sie gehe zu Lasten der Teilnehmerzahlen. Aus 19 000 angeschriebenen allgemeinbildenden Schulen meldeten sich nur 2000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Eine Untersuchung des Kieler Instituts für Pädagogik der Naturwissenschaften kam bereits 1989 zu dem Ergebnis, daß die Schulen jährlich mit mehr als hundert Umweltschutzwettbewerben bombardiert werden. Der VDI geht angesichts des Wildwuchses im kommenden Jahr mit gutem Beispiel voran. Er kooperiert versuchsweise mit Jugend forscht, dem direkten Konkurrenten um das enge Zeitbudget von Schülern und Lehrern.

Holger Iburg